Erstklässler in Deutschland sind fitter als bisher vermutet

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"Entgegen des meist negativen Tenors bisheriger Studien konnten wir nachweisen, dass sich bei Erstklässlern mit Blick auf die sportmotorische Leistungsfähigkeit in den vergangenen zehn Jahren in Summe keine Verschlechterung ergeben hat", erklärt Autor Filip Mess, Professor für Sport- und Gesundheitsdidaktik an der Technischen Universität München in einer Pressemitteilung. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Langzeit-Studie der TU München, in der jährliche Fitnesstests von insgesamt 5.000 Erstklässlern aus dem Raum Baden-Baden ausgewertet wurden. Lediglich bei der Ausdauer verschlechterte sich die Leistung, aber auch nur bei den Jungen.

Auch wenn die Studie für den Zehn-Jahres-Zeitraum unterm Strich keine Verschlechterung zeigt, bleibt viel Raum für Verbesserungen.

Gut 16 Prozent der Kinder in Deutschland sind laut einer europäischen Studie übergewichtig. Bisherige Studien seien deshalb zu hinterfragen. Im Zeitraum zwischen dem Jahr 2006 und dem Jahr 2015 wurden in der Region Baden-Baden etwa 500 Erstklässler pro Jahr untersucht. Untersucht wurden neben der Ausdauerleistung (6-Minuten-Lauf) die Kraft (Liegestütze), die Schnelligkeit (20-Meter-Sprint) und die Gleichgewichtsfähigkeit (Balanceübung). Besonders an der nun vorliegenden Studie sei, dass sich alle 18 Grundschulen der Region daran beteiligt hätten und dass die Tests jährlich durchgeführt worden seien. Sie sind genauso kraftvoll wie vor zehn Jahren, in Sachen Schnelligkeit und Gleichgewichtsfähigkeit sind sie sogar besser geworden. Die Untersuchung habe mit Blick auf die Langzeitschlüsse sicherlich eine höhere Aussagekraft als die bisherigen Forschungen. Diese können beispielsweise in einem Abstand von zwei Jahren liegen.

Die zweite Besonderheit sei die Tatsache, dass sämtliche der 18 Grundschulen in der Region sich an der Studie beteiligten. Verzerrungen wie es bei Stichproben der Fall ist, sind dadurch ausgeschlossen. Die Daten wurden zwischen 2006 und 2015 erhoben und sind für die Region repräsentativ. Allerdings bedeutet die regionale Auswahl auch eine Einschränkung der Ergebnisse. "Allerdings lassen sich die Daten nicht ohne Weiteres auf ganz Deutschland übertragen. Denn die eher wohlhabende und ländliche Region Baden-Baden unterscheidet sich möglicherweise von anderen Regionen Deutschlands", sagt der Professor für Sport- und Gesundheitsdidaktik.

Für Mess sollten die Ergebnisse daher ein Anstoß sein, um für künftige Aussagen über langfristige Entwicklungen der motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern ähnliche Forschungsdesigns zu verwenden, wie die TU München berichtet. So sollen zum Beispiel in Hessen sportmotorische Untersuchungen für jeden Grundschüler eingeführt werden.

"Wir konnten zeigen, dass sich bei den vier Tests lediglich die Jungs in Bezug auf die Ausdauerleistung signifikant verschlechtert haben". "Die Daten sagen nicht aus, dass die Leistungen der Kinder auch tatsächlich gut sind. Sie sind halt nur nicht schlechter geworden", so Mess. Ausreichende Bewegung bei Kindern bleibe weiterhin eine große Herausforderung, denn sie trägt dazu bei, dass aus Kindern später einmal gesunde Erwachsene werden.

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