Krebs-OP: Viele Kliniken zu unerfahren

Einstellen Kommentar Drucken

Ähnlich sei es bei anderen Krebs-Arten wie Speiseröhren-Krebs, Bauchspeicheldrüsen-Krebs sowie Blasen- und Darmkrebs.

Der Studie zufolge könnte allein die Zahl der Todesfälle infolge von Lungenkrebsoperationen durch die Einführung einer rechnerischen Mindestmenge von 108 Eingriffen pro Jahr um etwa ein Fünftel sinken - von 361 auf 287 Todesfälle pro Jahr. Thomas Mansky, Leiter des Fachgebietes Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen der Technischen Universität (TU) Berlin und einer der Autoren des Qualitätsmonitors. In Kliniken mit weniger Operationen sterben dagegen 4,1 Prozent der Patienten. Diese "Gelegenheitschirurgie" sei nicht akzeptabel, kritisiert Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbands, bei der Vorstellung des "Qualitätsmonitors".

Das bestätigen auch Daten der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), die nach eigenen Angaben bundesweit 49 Lungenkrebszentren zertifiziert hat. Krankenhäuser, die Vorgaben unberechtigt nicht einhielten, würden von der AOK künftig keine Vergütung mehr für diese Eingriffe bekommen. Diese müssten eine Mindestzahl von 75 Lungenkrebsoperationen pro Jahr vornehmen und darüber hinaus eine Reihe von Qualitätskriterien erfüllen. Das Problem seien die vielen Kliniken am anderen Ende des Spektrums: "Das sind in der Regel allgemeinchirurgische Abteilungen, die nur gelegentlich Thoraxchirurgie betreiben". Demnach werden in Mecklenburg-Vorpommern 75 Prozent aller Krebspatienten in Krankenhäusern mit weniger als 75 Lungenkrebs-OPs pro Jahr behandelt.

Beispiel Lungenkrebs: In Krankenhäusern, die Patienten mit dieser Krebsart mehr als 75 Mal pro Jahr operieren, liegt deren Sterblichkeitsrate im Schnitt bei 2,5 Prozent. Außerdem seien die Krankenkassen selbst schuld daran, dass die Bildung spezialisierter Zentren an Krankenhäusern nicht vorankomme, da sie auf bestimmten Fixkosten beharrten. In Berlin sind es nur drei Prozent. Besonders viele Kliniken mit unter 75 OPs pro Jahr gibt es in Nordrhein-Westfalen (90 Kliniken) und Bayern (60 Kliniken). Ralf Kuhlen, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates der Initiative Qualitätsmedizin (IQM). 260 deutsche Kliniken führen einen solchen Eingriff nur fünfmal pro Jahr durch. Bei der Weiterentwicklung der IQM-Qualitätsindikatoren habe man Informationen über Mindestfallzahlen, die Breite des Leistungsangebotes und die Leistungsmengen berücksichtigt.

Comments