Umfrage: Vorurteile zu Depressionen sind keine Seltenheit

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18 Prozent gaben an, dass der Genuss von Schokolade oder anderen Süßigkeiten ein geeignetes Mittel gegen Depressionen sei. Trotzdem gibt es laut einer Umfrage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Stiftung Deutsche Bahn hierzulande große Wissenslücken zum Thema Depression.

Für die Studie wurden von Juni bis August 2000 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren befragt. Fast ein Viertel (23 Prozent) gab an, dass bei ihnen bereits einmal die Diagnose Depression gestellt worden sei.

Mehr als ein Drittel (37 Prozent) berichtete von Diagnosen bei Angehörigen oder Freunden. Ein weiteres gutes Drittel (37 Prozent) hatte noch nichts mit der Krankheit zu tun.

Ergänzt werden die Ergebnisse durch eine Online-Umfrage unter rund 1000 Betroffenen. Eine deutliche Mehrheit hielt den Gang zum Arzt für den besten Weg.

Nahezu alle Interviewten sahen Schicksalsschläge (96 Prozent) oder Belastungen am Arbeitsplatz (94 Prozent) als relevante Ursachen einer Depression. Die Hälfte glaubte an eine falsche Lebensführung als Ursache, ein Drittel sah Charakterschwäche als relevanten Grund an, jeder Fünfte sogar eine falsche Ernährung - gängige Vorurteile.

Damit würden belastende Lebensereignisse für die Entstehung von depressiven Erkrankungen überschätzt, sagte Hegerl. Nur rund zwei Dritteln der Befragten war hingegen klar, dass Vererbung sowie eine Stoffwechselstörung im Gehirn relevante Ursachen der Krankheit sind. Bei Betroffenen liegt dieses Wissen um 10 bis 20 Prozent höher.

Nach dem heutigen Stand der Forschung führt die Veranlagung zu Depressionen zu veränderten Hirnfunktionen, zum Beispiel zu stärkeren Reaktionen auf Stress unterschiedlichster Art. Die Depression rückt alles Negative ins Zentrum des Erlebens und vergrößert es riesenhaft.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit mehr als 300 Millionen Menschen von Depressionen betroffen. Ärzte behandeln die Krankheit in der Regel mit Psychotherapien und je nach Schweregrad auch mit Medikamenten.

Verändert sich ein Mensch gravierend und über einen langen Zeitraum, sollte er sich auf jeden Fall Hilfe bei einem Experten suchen. Davon warten viele bis zu einem Jahr, bevor sie etwas unternehmen", warnt Gesundheitsministerin Lydia Mutsch, die am Dienstagmorgen die nationale Kampagne "Depression: "Let's Talk About it" ins Leben rief. Nach einer Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) zählen sie inzwischen zu den häufigsten psychischen Leiden in Deutschland. Die Krankheit wird heutzutage häufiger erkannt als früher.

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