Menschen mit Diabetes leiden doppelt so häufig an Depressionen

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Nach Angaben des Psychotherapeuten Professor Bernhard Kulzer vom Diabetes-Zentrum Bad Mergentheim weist jeder dritte Diabetes-Patient eine erhöhte psychische Belastung auf.

Für Menschen mit Diabetes ist das Risiko, eine Depression zu entwickeln, besonders hoch. Andrea Benecke, Vorstand der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Denn die "Patienten mit Diabetes müssen jeden Tag Verantwortung für ihre Therapie übernehmen, ihre Blutzuckerwerte genau im Blick haben, Medikamente dosieren und einnehmen, Rückschläge verarbeiten", erläutert Prof.

Die Auswirkungen einer klinischen Depression auf den Gesundheitszustand der Diabetespatienten sind gravierend. Eine mögliche Folge: Der Langzeitblutzuckerwert HbA1c verschlechtert sich. Diabetiker mit Depression haben deutlich mehr Folgekrankheiten, die Behandlungskosten dafür liegen laut Kulzer um 50 Prozent über dem Durchschnitt.

Darüber hinaus übt die Depression einen direkten negativen körperlichen Einfluss auf die Stoffwechselstörung aus.

Laut den Experten führen Depressionen über eine Aktivierung der Hypophysen-Nebennieren-Achse auch zu einer Erhöhung entzündlicher Prozesse an den großen und kleinen Blutgefäßen. "Das wiederum fördert die Entstehung weiterer Folgeerkrankungen etwa an Nerven, Augen, Füßen oder Nieren", erläutert Prof. Kulzer. Die Folgeerkrankungen wie ein Schlaganfall oder Herzinfarkt seien auch maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich das Sterblichkeitsrisiko bei Menschen mit Diabetes und Depression verdoppelt. Ebenso spiele die erhöhte Suizidrate eine Rolle. "Hochgerechnet auf Deutschland bringen sich täglich mehr als zwei Personen mit Depression und Diabetes um, jährlich über 800 Menschen - eine viel zu hohe Zahl", erklärt Kulzer.

- Bislang unterschätzt worden sei das Mortalitätsrisiko depressiver Diabetiker. Bislang werde rund die Hälfte aller Depressionen bei Diabetes nicht erkannt, ergänzt Prof.

Ein Problem in der adäquaten Versorgung dieser Patienten sei aber, dass die Diagnose Depression zu selten gestellt werde.

Diabetiker sollten sich bei entsprechenden Warnzeichen dringend psychologische Hilfe suchen, so der Hinweis der DDG. "Wenn die Therapie zur Last wird und mehr Energie als bisher kostet, ist das ein Alarmsignal", betont Kurz. Dann kann unter Umständen professionelle Hilfe notwendig sein. Hausärzte und Diabetologen müssten überdies achtsamer auf Symptome für eine Depression bei den von ihnen behandelten Diabetikern reagieren. Ist der Blutzucker dauerhaft nicht stabil einzustellen, kann an speziell weitergebildete Psychotherapeuten vermittelt werden. Laut Berechnungen der DDG sind Diabetiker demnach doppelt so häufig von Depressionen betroffen wie die Allgemeinbevölkerung. Arch Intern Med. 2000 Nov 27;160 (21):3278-85. Dafür sorgte Anfang des Jahres 2017 der 30.

"Wir begrüßen diese Entscheidung sehr", betont Gallwitz.

Wer sich depressiv fühlt, kann zunächst einen Kurztest der WHO machen:.

1 Ciechanowski PS1, Katon WJ, Russo JE. Manag Care Interface. 2006 Mar;19 (3):39-46.

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