Erdogan-Tsipras Treffen in Athen

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"Er erfordert weder eine Revision noch eine Aktualisierung", sagte Pavlopoulos bei einem Treffen mit Erdogan in Athen.

Die nächste Hürde: Erdogan wird in Athen wohl auch die Auslieferung von acht türkischen Armeeoffizieren fordern, die nach dem Putschversuch vom Juli 2016 mit einem Hubschrauber nach Griechenland flüchteten und dort im Januar politisches Asyl erhielten. Der Luftraum und die Seegrenze könnten "verbessert" werden, sagte Erdogan dem griechischen Sender Skai TV. Immer wieder überfliegen türkische Jets unbewohnte griechische Inseln, die Ankara für sich beansprucht. Seitdem gibt es Streit um den genauen Verlauf der Grenze. Stattdessen würden die religiösen Rechtsgelehrten von der Regierung ernannt, kritisierte Erdogan. Der Schutz der Rechte der ethnischen Türken habe für ihn "Top-Priorität". Erdogan war 2004 und 2010 als Regierungschef zwei Mal in Athen. Es war der erste Besuch eines türkischen Staatsoberhaupts seit 1952 in Griechenland.

Im Vordergrund des Besuchs dürften große gemeinsame Infrastrukturprojekte stehen, über die Erdogan reden will: eine neue Grenzbrücke über den Evros in Thrakien, eine Trasse für Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Istanbul und Thessaloniki und die Ausweitung der Fährverbindungen in der Ägäis, vor allem zwischen den Metropolen Izmir und Thessaloniki. Erdogans Interesse dürfte sich aber ohnehin weniger auf Zypern richten als darauf, in Alexis Tsipras einen Partner zu finden, der ihm hilft, die Spannungen zwischen der Türkei und der EU zu verringern. Die Türkei müsse aber demokratische Reformen in die Tat umsetzen.

Erdogan und Tsipras trafen am Mittag in der Residenz des griechischen Ministerpräsidenten zusammen. Die Offiziere waren nach dem Putsch gegen Erdogan im Juli 2016 nach Griechenland geflüchtet. Während Tsipras dort erklärte, die Beziehungen seines Landes zu den USA seien "seit dem Zweiten Weltkrieg nie besser gewesen", ist das türkisch-amerikanische Verhältnis auf einem historischen Tiefpunkt angelangt. Ankara wirft dem Nachbarn aber vor, Beteiligten am gescheiterten Militärputsch Zuflucht zu bieten. Während des Besuchs werden laut der griechischen Zeitung "Kathimerini" 2800 Polizisten, Spezialkräfte und Scharfschützen Erdogan beschützen.

In einem am Mittwoch gesendeten Interview sprach sich Erdogan dafür aus, den Vertrag von Lausanne neu zu verhandeln. Die nach dem Putschversuch nach Griechenland geflohenen Mitglieder der gülenistischen Terrorvereinigung, FETÖ müssten unverzüglich an die Türkei ausgeliefert werden. Wenn die Frage in den Händen der Justiz bliebe, werde es kein Ergebnis geben, sagte er.

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