Mehr als 200 Demonstranten in Tunesien festgenommen

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In mehreren Städten Tunesiens ist es in der zweiten Nacht in Folge zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen.

Nach Angaben des tunesischen Innenministeriums wurden bei Protesten am späten Dienstag mehr als 200 Menschen festgenommen. Landesweit seien 49 Polizisten verletzt und 206 "Unruhestifter" festgenommen worden, sagte ein Ministeriumssprecher. Dutzende sind verletzt. In einer Vorstadt von Tunis sei ein Supermarkt geplündert worden.

(Reuters) Bei Protesten gegen steigende Preise und Steuererhöhungen ist in Tunesien ein Demonstrant ums Leben gekommen. Am Montag war ein Mann bei den Protesten getötet worden. Auf der Insel Djerba habe es einen versuchten Brandanschlag auf die dortige Synagoge gegeben, sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Perez Trabelsi. Dort gingen hunderte junge Menschen auf die Straße. Sie bewarfen Sicherheitskräfte mit Steinen, diese reagierten mit dem Einsatz von Tränengas, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Ähnliche Szenen spielten sich auch in Kasserine und Sidi Bouzid im ärmlichen Zentrum des Landes ab.

2011 begann in Tunesien mit dem Sturz des früheren Diktators Ben Ali der sogenannte Arabische Frühling.

In der Hauptstadt Tunis demonstrierten am Dienstag zahlreiche Menschen gegen die Maßnahmen, mit denen die Regierung ihre Haushaltsprobleme in den Griff bekommen will. Die wichtigste Oppositionspartei des nordafrikanischen Landes rief zu weiteren Protesten auf. "Aber man kann sie als das Ergebnis von Hunger und Armut sehen, die seit Jahren in der tunesischen Bevölkerung herrschen". Mehrere hundert Menschen, darunter viele Jugendliche, protestierten auch in Regueb im Zentrum des Landes, wie ein AFP-Journalist berichtete. Eine jüdische Schule wurde mit einem Molotowcocktail attackiert. Am Montagabend weiteten sich die Proteste aus: Zusammenstöße zwischen der Polizei und Demonstranten wurden aus mindestens zehn Städten gemeldet. Offen ist nach wie vor, wie es zum Tod des Demonstranten kam. Der Obduktionsbericht wurde bisher nicht veröffentlicht. Das Innenministerium bestritt, dass die Polizei den 45-Jährigen getötet hat.

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