Neuer Tuberkulosekeim bei Flüchtlingen entdeckt

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Auf unseren Kontinent gekommen ist das Bakterium mit Flüchtlingen aus Afrika.

Der erste Befund wurde bei einem somalischen Asylbewerber im Empfangszentrum in Chiasso (Schweiz) im Februar 2016 gestellt.

In den folgenden Monaten wurde der gefährliche Keim bei weiteren Patienten nachgewiesen, die alle aus Ländern am Horn von Afrika nach Europa migrierten. Der gefundene Erreger Mycobacterium tuberculosis zeige eine bislang unbekannte Kombination von Resistenzen gegen vier verschiedene Antibiotika, heißt es in dem Fachblatt. Gleichzeitig diagnostizierte auch das deutsche Referenzlabor in Borstel bei Hamburg einen Fall mit dem gleichen Erreger. Daraufhin wurde ein europaweites Alarmsystem aufgebaut. Insgesamt identifizierte das NZM den Erreger zwischen Februar und November 2016 bei acht Flüchtlingen aus Somalia, Eritrea und Dschibuti.

Den Betroffenen konnten dennoch geholfen werden - und zwar mit Hilfe von langen Quarantänezeiten, dem weiteren Einsatz von Antibiotika und einer Kooperation mit dem European Center for Disease Prevention and Control (ECDC). Bei diesen Untersuchungen stiessen die europäischen Referezzentren auf insgesamt 21 Fälle. Es infizierte die Betroffenen wahrscheinlich in einem lybischen Flüchtlingscamp, stammt ursprünglich jedoch wohl aus Somalia. Dadurch sei eine weitere Ausbreitung des Erregers verhindert worden, schreiben die Studienautoren weiter. Die Daten weisen darauf hin, dass sich der Tuberkuloseerreger in einem libyschen Flüchtlingslager bei Bani Walid unter Migranten verbreitete. Das überfüllte Lager rund 180 Kilometer südöstlich von Tripolis ist berüchtigt für seine unhygienischen und menschenunwürdigen Verhältnisse. Etliche der diagnostizierten Patienten passierten das Camp auf ihrem Weg nach Norden. Dort dürfte der Tuberkuloseerreger aufgrund neuer Mutationen die gefährliche Resistenzkombination entwickelt haben.

Weil sein genetischer Bauplan bekannt ist, ist inzwischen zudem ein Schnelltest für den Erreger verfügbar. Damit können Personen, bei denen ein Verdacht auf diesen Tuberkulosekeim besteht, innerhalb von Stunden diagnostiziert werden.

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