SPD-Politikerin Barley droht Firmen mit neuer Frauenquote

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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat eine positive Bilanz der Frauenquote für Aufsichtsräte in deutschen Firmen gezogen - allerdings die fehlende Signalwirkung für Vorstände beklagt. Barley hatte vor dem Hintergrund einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), einen Frauenanteil von unter zehn Prozent in den Vorständen etwa der großen deutschen Banken als nicht hinnehmbar kritisiert und erklärt: Wo selbstgesetzte Zielgrößen nicht wirkten, seien klare Regelungen notwendig.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat den Vorstoß von Familienministerin Katarina Barley (SPD) für eine gesetzliche Frauenquote für Unternehmensvorstände zurückgewiesen.

Sie sind nicht viele, aber es gibt sie: 13 Prozent der Vorstände der Dax-30-Unternehmen sind Frauen. Danach ist der Frauenanteil in den Vorständen und Aufsichtsräten der 100 größten Banken in Deutschland im vergangenen Jahr jeweils leicht auf knapp neun beziehungsweise 23 Prozent gestiegen. Zwar seien im Finanzsektor mehr als die Hälfte aller Beschäftigten Frauen, "die hohen Führungspositionen haben jedoch weitgehend Männer inne", lautet das DIW-Fazit.

"Wenn nichts passiert, wird der öffentliche Druck definitiv steigen", sagte Holst dem "Handelsblatt" zu den DIW-Ergebnissen mit Blick auf eine nötige moderne Unternehmenskultur. In ihrem Wahlprogramm hatte die SPD demnach eine feste Quote von 50 Prozent für Führungsgremien anvisiert.

Offen ist jedoch, wie Barley ihre Pläne realisieren will. Eine Regierungsbeteiligung der SPD ist trotz der laufenden Sondierungsgespräche noch nicht sicher. Gleichwohl wird jetzt schon rege über Barleys Vorstoß debattiert. Grüne und Frauenverbände signalisierten bereits Unterstützung für eine Gesetzesverschärfung. Die FDP und der CDU-Wirtschaftsrat reagierten ablehnend.

Die DIW-Forscherin Holst hat zusammen mit Katharina Wrohlich die Entwicklung des Frauenanteils in 500 deutschen Unternehmen analysiert. Bei den 60 größten Versicherungen ist die Dynamik hingegen zum Erliegen gekommen: In beiden Gremien ging der Frauenanteil etwas zurück, auf gut neun beziehungsweise knapp 22 Prozent.

Die Quotenpflicht besteht derzeit für über 100 Unternehmen. Das gilt allerdings nur für börsennotierte, mitbestimmungspflichtige Konzerne. Für die Vorstände gibt es bislang keine verbindliche Quotenregelung.

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