Eva Sangiorgi wird neue Viennale-Direktorin

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Falls ausführliche Einträge im Internetlexikon tatsächlich die Wichtigkeit von Personen des öffentlichen Lebens widerspiegeln sollen, wird es Zeit, dass sie einen bekommt: In der Filmwelt gilt Eva Sangiorgi als Größe mit gutem Netzwerk, als erfahrene Festivalleiterin, Programmiererin und Jurorin.

"Mit Eva Sangiorgi als international renommierte Festivaldirektorin wird die internationale Ausrichtung des größten österreichischen Filmfestivals, der Viennale, noch stärker betont". In diesem Zusammenhang wird für Sangiorgi wohl die größte Herausforderung an ihrem neuen Job sein, trotz professioneller Arbeit und intensiver Einlernphase am Ende in Wien nicht eine Fremde zu bleiben.

Die Bestellung der neuen Leitung sei nach der auf den überraschenden Tod von Hans Hurch folgenden Ausnahme-Viennale 2017 der richtige Schritt, unterstrich Viennale-Geschäftsführerin Eva Rotter: "Ich freue mich, dass wir eine so wunderbare, frische neue Leiterin gewonnen haben".

Die Tatsache, dass das Prozedere der Bestellung im Vorfeld für Diskussionen sorgte, indem seitens der Viennale bereits vor der Entscheidungsfindung eine internationale Lösung als "fantastisch" bezeichnet wurde, die auch Hans Hurch "bevorzugen würde", werteten Viennale-Interimsdirektor Franz Schwartz und Geschäftsführerin Eva Rotter als österreichische Debatte: Wichtiger sei es gewesen, sich in keiner Weise von der Nationalität beeinflussen zu lassen. Mit der Bewerbung von Sangiorgi eröffnete sich für die Viennale eine "nahezu historische Chance", die die Viennale gerne ergriffen hat. Viennale verantwortlich zeichnen, die von 25. Oktober bis 8. November über die Bühne gehen wird.

Seine Handschrift soll auch unter der neuen Direktorin nicht ganz verblassen: Sie wolle das "Erbe hochhalten und die Fähigkeiten des bewährten Teams nutzen", sagte Sangiorgi zu ihren Zukunftsplänen. "Ich werde viele der Kooperationen fortsetzen, wie etwa die mit dem Filmmuseum", kündigte die designierte Festivalchefin an.

Trennungen will sie auch innerhalb des Genres aufheben: Zum Beispiel jene zwischen Dokumentar- und Spielfilmen in der Programmstruktur, "da die Grenzen dieser Genres immer mehr verschwimmen".

"Mich interessiert natürlich auch, Regisseurinnen die Aufmerksamkeit zu geben". Einen spezifischen Fokus auf lateinamerikanisches Filmschaffen brauche man sich angesichts ihres Hintergrunds nicht erwarten. Die 39-jährige Italienerin gründete vor acht Jahren das FICUNAM, das bedeutendste Filmfestival von Mexico City, dem sie seither erfolgreich vorsteht. Geboren wurde Sangiorgi am 10. Juli 1978 in Bologna, wo sie auch Kommunikationswissenschaften studierte.

Seit 2003 Tätigkeit als Kuratorin und Programmiererin bei internationalen Festivals in Mexiko und in Europa.

Sangiorgi folgt auf Schwartz, der die jüngste Ausgabe im Herbst des Vorjahres interimistisch geleitet hatte. "Ich bin überzeugt, dass sie auf den großen Erfolgen aufbauen und mit ihrer Expertise und Erfahrung die Viennale weiterentwickeln wird", betont Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Sangiorgis Bestellung sei ein Signal.

Die Wahl, getroffen von einer aus Schwartz und sechs Mitgliedern des Viennale-Kuratoriums bestehenden Findungskommission, steht durchaus im Geiste Hurchs, dessen Haltung und Programmhandschrift nach 20-jähriger Leitung unverbrüchlich mit dem Image des Wiener Festivals verkoppelt ist.

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