Türkei: Russland und Iran müssen syrische Offensive in Idlib stoppen

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Nutznießer der syrischen Offensive in der Provinz Idlib ist paradoxerweise auch der sogenannte Islamische Staat (IS). Sie bombardieren auch Wohnhäuser, wie hier in Kafr Sijnah, gut 40 Kilometer südlich der Stadt Idlib. In dem Gebiet an der Grenze zur Türkei leben nach UN-Angaben mehr als 2,5 Millionen Menschen, darunter mehr als eine Million Vertriebene. "Sie flüchten mit nichts anderem als ihren Kleidern am Leib". Für sie ist die Zeit der relativen Ruhe nun vermutlich vorüber. Beide Aktionen sollten eine Ausweitung des Einflussbereiches der syrischen Kurden entlang der türkischen Grenze stoppen. Die Offensive verletze die Deeskalationszone in Idlib. Dabei eroberten sie bereits zahlreiche Dörfer.

Die Türkei hat Russland und den Iran aufgerufen, die syrische Regierung zum Stopp ihrer Offensive in der Provinz Idlib zu drängen.

Einen Teil der Provinz Idlib zeigt das rote Rechteck auf dieser Karte.

Möglicherweise werden auch andere strategische Ziele ins Fadenkreuz genommen.

Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge fliehen die Menschen im Nordwesten Syriens auch, weil sie Angst haben, von syrischen Regierungstruppen eingeschlossen zu werden. Adschnad al-Kaukas rekrutiert Kämpfer aus dem Kaukasus für den Dschihad in Syrien und war bisher mit mehreren hundert Extremisten in dem Konflikt aktiv. Der Angriff richtete sich gegen das mit Al-Kaida verbündete Rebellennetzwerk Hayat Tahrir al-Sham (Befreiungsfront für die Levante), das etwa 80 Prozent der Provinz Idlib kontrolliert und die Schaffung eines sunnitischen Gottesstaates nach dem Vorbild der Taliban anstrebt.

Vor zweieinhalb Wochen starteten die syrische Armee und ihre Verbündeten eine Offensive.

Frankreich äußerte sich auch entrüstet über die anhaltende Offensive gegen die belagerte Rebellenenklave Ghouta östlich von Damaskus.

Mit dem Militäreinsatz "Schutzschild Euphrat" war die Türkei 2016 mit von ihr unterstützten Rebellen in die nordsyrische Region um Dscharabulus einmarschiert. Bei den schweren Luftangriffen in der Region wurden laut Aktivisten schon Dutzende Zivilisten getötet.

Am 9. Januar hat sich die Situation stark verändert. Die Türkei hat Truppen im Norden von Idlib stationiert, um die Deeskalationszone abzusichern. Präsident Recep Tayyip Erdogan bekräftigte aktuell sein Vorhaben, die von den kurdischen Kämpfern der YPG kontrollierten Gebiete an der türkischen Grenze zu durchbrechen. Die Forderung verpuffte. Im Gegenteil erhalten die Assad-Truppen laut Augenzeugen russische Luftunterstützung.

Ende des Monats soll auf einer Konferenz im russischen Badeort Sotschi über eine Nachkriegsordnung für Syrien beraten werden. Das türkische Außenministerium bestellte daher bereits am Dienstag den iranischen und den russischen Botschafter ein, um ihnen das "Unbehagen" der Türkei über die "Verletzung der Grenzen der Deeskalationszone in Idlib" zu übermitteln. Je mehr Geländegewinne Assad bis zum Beginn der Gespräche verbuchen kann, desto mehr Fakten schafft er bezüglich seiner eigenen Person.

Die Unterstützung Russlands und des Iran hat er sicher, die Türkei hingegen sieht mit ihm keine Zukunft für das Land - so wie auch viele westliche Nationen. Doch welche Alternative zu Assad könnte es geben, wenn der Widerstand bis auf ein Minimum geschwächt wurde? Niemand rechnet noch ernsthaft damit, dass die Rebellion in Syrien irgendeine Aussicht auf Erfolg hat.

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