Bürger angesichts von Globalisierung für mehr EU-Integration

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Größte Herausforderungen für Europa sind nach Einschätzung der Europäer Terrorismus und Migration. "Dafür ist auch politische Führungsstärke gefragt", kommentiert Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung die Ergebnisse. Sie erhoffen sich von der EU vor allem Antworten in den Bereichen Migration und Sicherheit. Das ist das Ergebnis einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der deutschen Bertelsmann-Stiftung, die sich auf eine repräsentative Umfrage in der gesamten EU unter mehr als 10.000 Bürgern stützt. Während fast die Hälfte (44 Prozent) der EU-Bürger die Globalisierung als Bedrohung empfindet, geben sie gleichzeitig mehrheitlich an, hinsichtlich der Verfügbarkeit preiswerter Waren und Dienstleistungen persönlich "eher gute" oder "gute" Erfahrungen mit der Globalisierung gemacht zu haben (66 Prozent). Lediglich Anhänger rechter und rechtsextremer Parteien lehnen demnach jede Art politischer oder wirtschaftlicher Öffnung deutlich ab. Die meisten Befürworter einer stärkeren EU-Integration finden sich unter den SPD-Anhängern mit 66 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 65 Prozent, der CDU/CSU mit 63 Prozent und der Linken mit 62 Prozent. In Frankreich etwa sind lediglich die Anhänger der rechtsextremen Partei Front National mehrheitlich gegen mehr EU-Integration (64 Prozent).

Zudem scheine bei der FDP das Europa-Bekenntnis zu wackeln, heißt es von den Studienautoren. In Polen sind deutlich EU-ablehnende Sichtweisen nur bei der rechtsnationalen Partei Kukiz'15 (54 Prozent) in der Mehrheit. Auch bei der FDP ist der Wert mit 49 Prozent erstaunlich niedrig. Für die Rechten ist Europa hingegen nicht Teil der Lösung, sondern das Problem.

In Deutschland seien die EU-Unterstützer über die meisten Parteigrenzen hinweg fast überall klar in der Mehrheit, hieß es. "Deshalb lehnen sie europaweit konsequent eine verstärkte Integration ab", so Isabell Hoffmann. Jeder vierte Europäer ist dafür, dass der Kampf gegen den Terrorismus die oberste Priorität der EU haben sollte, 20 Prozent der Teilnehmer sieht die bessere Steuerung von Migration als wichtigste Aufgabe.

Mehr als die Hälfte der EU-Bürger wünscht sich einer Umfrage zufolge mehr europäische Integration - unabhängig davon, ob sie Globalisierung positiv oder negativ sieht.

Themen wie Wachstum und Ungerechtigkeit sehen dagegen jeweils nur sechs Prozent der Europäer ganz oben auf der Aufgabenliste der EU.

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