Präsidentenwahl in Tschechien: Zeman gilt als Favorit

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Der 68-Jährige befürwortet Tschechiens EU- und Nato-Mitgliedschaft, lehnt aber wie alle anderen Präsidentschaftskandidaten die EU-Verteilungsquote für Flüchtlinge ab. Seit 2013 ist Zeman Präsident, er bewirbt sich um eine zweite fünfjährige Amtszeit. Vor der ersten Wahlrunde am gestrigen Freitag und Samstag verzichtete sein Team auf Fernsehspots. Zemans Unterstützer sind insbesondere auf dem Lande und unter Handwerkern anzutreffen. Es ist eine Form des permanenten Wahlkampfs, bei dem er sich auf den Marktplätzen und in den Versammlungssälen unter die Menschen mischt. Wenn Zeman wiedergewählt werde, könne er ein starkes Tandem mit dem neuen populistischen Ministerpräsidenten Andrej Babis bilden, der in der Vergangenheit wiederholt die deutsche Flüchtlingspolitik und Angela Merkel kritisiert habe. In einer einstündigen Rede vor den Abgeordneten unterstützte er kürzlich den Sieger der Parlamentswahl vom Oktober vor der Vertrauensabstimmung. Sie stürmte mit nacktem Oberkörper auf den 73-Jährigen zu und rief die Worte "Zeman - Putins Schlampe", eine Anspielung auf die Nähe des Politikers zu Russland. Zeman blicke in den letzten Jahren eher nach Osten als nach Westen, sagt der Politologe Jiri Pehe. Der Name des Chemikers steht unter einem Dutzend Patenten. In seiner jüngsten Weihnachtsansprache warf Zeman der EU nicht zum ersten Mal vor, ihre Außengrenzen nicht ausreichend zu schützen. Seine Kritiker vergleichen ihn mit "destilliertem Wasser" - farblos und ohne Geschmack. "Niemand darf uns diktieren, wen wir auf unser Territorium lassen".

Als Favorit gilt Amtsinhaber Milos Zeman. Die Agentur CVVM sieht Zeman in der ersten Runde bei 32,0 Prozent und Drahos bei 21,5 Prozent. In der Stichwahl würde sich das Verhältnis hingegen umkehren - mit 44 Prozent für Zeman zu 48,5 Prozent für Drahos. Wer am Ende das Rennen macht, entscheidet sich spätestens in der Stichwahl am 26. und 27. Januar.

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