So wenig Organspender wie noch nie

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Bereits 2016 war die Zahl der Spender auf einem historischen Tiefpunkt.

Die Zahl der Organspender ist in Deutschland im vergangenen Jahr einem Bericht zufolge erneut dramatisch gesunken. Nachdem 2016 noch 834 Menschen gespendet hatten, fiel die Zahl der Spender 2017 auf 769, wie die "Süddeutsche Zeitung" (Samstag) berichtet.

In Sachsen sank demnach die Zahl der Spender innerhalb eines Jahres von 60 auf 50, in Sachsen-Anhalt von 33 auf 23 und in Thüringen von 28 auf 23. Die Zahl der transplantierten Organe von hirntoten Spendern fiel auf nur noch 2.664.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz beklagt das fehlende Interesse der Regierungsparteien an der Transplantationsmedizin. Sie liegt damit unter der kritischen Marke von zehn pro eine Million Einwohner, die international als Voraussetzung für ein ernstzunehmendes Organspendesystem gilt. "Diese Dramatik kommt in den Sondierungsgesprächen für eine Neuauflage der großen Koalition mit keinem Wort vor", bemängelte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Brysch forderte, den Spendermangel zu einem Thema bei den Koalitionsverhandlungen zu machen.

Rahmel sieht die Gründe für den Rückgang der Spenderzahlen weniger in der mangelnden Bereitschaft der Bevölkerung. Von Luisa Zsolnay mehr.

Belgien kommt dagegen ebenso wie Kroatien auf mehr als 30 pro Million Einwohner, Spanien ist der langjährige weltweite Spitzenreiter und meldete für 2017 sogar fast 47 Spender pro Million Einwohner. Ein Jahr zuvor lag ihre Zahl noch um 100 höher bei 396. Spanien sei "das großzügigste Land der Welt", sagte Gesundheitsministerin Dolors Montserrat, und habe "eines der besten Gesundheitssysteme der Welt".

Patienten in Deutschland profitieren laut Süddeutscher Zeitung von der höheren Spendenbereitschaft im Ausland. Da einem Spender in der Regel mehrere Organe entnommen werden, konnten insgesamt 296 Nieren, Lungen, Lebern oder Herzen an kranke Menschen vermittelt werden. Rund 200 zusätzliche Organe aus Belgien, den Niederlanden, Kroatien, Ungarn, Österreich und Slowenien erreichten Deutschland auf diese Weise. So habe zum Beispiel Bayern 2017 Transplantationsbeauftragte erstmals für ihre Aufgabe freigestellt.

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