Diabetiker dürfen ans Steuer

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Doch dürfen Diabetespatienten sich überhaupt hinters Steuer setzen? Letztere "gehen schon länger davon aus, dass Menschen mit Diabetes in der Regel alle Fahrzeugklassen führen können", sagte Oliver Ebert, Mitautor der Leitlinie und Vorsitzender des Ausschusses Soziales der DDG, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Laut DDG besitzen fast sechs Millionen Diabetiker in Deutschland einen Führerschein.

Das gilt sowohl für Privatfahrten wie auch für Berufsfahrer. Zu diesem Schluss kommt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mit Bezug auf die neue Handlungsempfehlung für Patienten, Ärzte, Gutachter, Diabetesberater und Behörden, die die Fachgesellschaft am Donnerstag vorgestellt hat. Denn: "Nach allen verfügbaren Untersuchungen ist die Unfallhäufigkeit bei Menschen mit Diabetes nur unwesentlich erhöht". Bislang wurde oft die Ansicht vertreten, insulinpflichtige Patienten könnten nicht als Bus- oder Lkw-Fahrer arbeiten, oder ein hoher Langzeitblutzuckerwert stelle einen Grund zur Verweigerung des Führerscheins dar. Reinhard Holl, Epidemiologe der Universität Ulm und Mitautor der Leitlinie. Im Klartext: Bei einem Unfall konnte ein Arzt, der dem zuckerkranken Verursacher Fahrtauglichkeit bescheinigt hatte, für seine Entscheidung rechtlich belangt werden. "Ein Arzt, der sich an diese wissenschaftlich abgesicherten Empfehlungen hält, muss grundsätzlich keine Haftung befürchten", betont Ebert. Zugleich können Ärzte auch ein sogenanntes "ärztliches Fahrverbot" aussprechen und Verhaltensvorgaben machen, wenn dies angezeigt sei.

Für Diabetiker bietet die Leitlinie den Vorteil, dass sie einfacher gegen ein fehlerhaftes Gutachten vorgehen und einen drohenden Verlust der Fahrerlaubnis abwenden können. Erstmals in Europa wurde für die Leitlinie auf wissenschaftlich fundierter Grundlage die Fahrtauglichkeit bei Diabetes bewertet, so die Mitteilung der DDG.

Es gibt aber doch zwei wichtige Gründe, die Fahreignung zu verlieren: Das ist eine unbehandelte Schlaf-Apnoe oder wiederholte schwere Unterzuckerungen. Am Ende profitieren auch Begutachter von der neuen Leitlinie, da sie ihnen klare Kriterien an die Hand gibt, anhand der über die Fahrtauglichkeit bei Diabetes entschieden werden kann, erläutert Prof. Die Leitlinie zeigt Möglichkeiten auf, die Gefahr von Unterzuckerungen zu verringern und die Fahrtauglichkeit so wiederzuerlangen - durch eine Medikamenten-Umstellung, Wahrnehmungsschulungen oder eine kontinuierliche Glukosemessung mit akustischer Warnfunktion.

Bei schweren Stoffwechselentgleisungen, in der Einstellungsphase auf Insulin und bei anderen Therapieumstellungen oder Dosisänderungen liegt eine vorübergehende Fahruntauglichkeit vor.

"Jeder Insulinpatient sollte vor Fahrtantritt den Blutzucker messen und schnellwirkende Kohlenhydrate etwa in Form von Traubenzucker im Auto griffbereit haben", sagt Holl. Die Fahruntauglichkeit gelte, bis der Blutzuckerstoffwechsel wieder stabil ist.

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