Rätsel um Mini-Mumie aus Chile gelöst

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Sogar ein Dokumentarfilm über die angeblich außerirdische Herkunft des Mini-Wesens wurde gedreht.

Der kleine Mensch aus Atacama Eine in Südamerika entdeckte Mumie erfüllt auf groteske Weise alle Klischees, die über das Aussehen Außerirdischer existieren.

Von vielen der bei Ata entdeckten Genveränderungen wusste man bereits, dass sie eine Rolle bei Kleinwuchs und Fehlbildungen an Muskeln und Knochen spielten. Andere Mutationen hingegen seien zwar als mögliche Auslöser von Erkrankungen bekannt, aber bisher noch nie mit derartigen Störungen in Verbindung gebracht worden. "Ich hatte über einen Freund von dem Körper gehört und mir ein Foto besorgt". Die DNA sei zu 98 Prozent menschlich, erklärten die Wissenschaftler um den Mikrobiologen Garry Nolan von der Stanford University. Heute steht nach einem Abgleich mit Referenzgenomen von Schimpanse und Rhesusaffe fest: Ata war definitiv ein Mensch. Ein geografischer Populationsabgleich lässt zudem auf chilenische Herkunft schliessen und das Verhältnis abgelesener X- und Y-Chromosomen auf weibliches Geschlecht. Außerdem ungewöhnlich: Das Skelett hatte nur zehn statt der bei Menschen üblichen zwölf Rippenpaare.

Was die Experten lange vor ein Rätsel stellte: Bestimmte Knochenteile wiesen Merkmale eines sechs- oder siebenjährigen Kindes auf.

Hatte Ata also doch viel länger gelebt, als vorher angenommen? Nein, folgern die Forscher heute: Ata sei ein Fötus gewesen, habe aber an einer seltenen Erkrankung gelitten, die die Knochen vorzeitig altern lasse.

Für die Forscher ein wahrer Glücksfall: Die Wüstensonne hatte das Skelett mumifiziert - aus ihren Rippen extrahierten die Wissenschaftler das intakte Erbgut. Dass das Skelett kein Jahrtausende altes Relikt winziger Frühmenschen ist, war schon zuvor klar: Forscherinnen und Forscher schätzen das Alter der Knochen auf gerade mal 40 Jahre.

Atul Butte von der University of California (San Francisco): "Das ist ein großartiges Beispiel dafür, wie uns die Sequenzierung alter Funde dabei hilft, auch moderne Proben zu analysieren". Und es zeige, dass man sich bei Patienten auf der Suche nach Ursachen für bestimmte Erkrankungen, nicht nur auf eine einzelne Mutation fokussieren solle.

Die Mumie, die als "Atacama-Humanoid" oder auch "Ata" bezeichnet wird, wurde 2003 in der verlassenen Stadt La Noria in der chilenischen Atacama-Wüste gefunden.

Immer wieder sorgen Mumienfunde für Aufsehen. Nicht immer aber sind die Körper natürlichen Ursprungs, wie etwa bei einem Dachbodenfund von 2013.

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