Neu entwickelter Bluttest zeigt frühzeitig Risiko für Alzheimer

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Alzheimer kann zwar nicht geheilt werden, das Fortschreiten der Symptome kann allerdings verlangsamt werden. Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB), des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Krebsregisters Saarland wollen dem nun einen Schritt näher gekommen sein.

Dass es bis heute keine wirksame Therapie gegen die Alzheimerdemenz gebe, liege laut den Experten vor allem daran, dass die Krankheit erst in einem späten Stadium diagnostiziert wird - nämlich wenn die charakteristischen Symptome wie Vergesslichkeit vorliegen.

Versuche mit eingelagerten, älteren Blutproben von heutigen Alzheimer-Patienten zeigten: Schon Jahre vor der klinischen Gewissheit der Erkrankung ließen sich erste Hinweise darauf finden.

Bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit sind Fehlfaltungen des Proteins Amyloid-β beteiligt, die sich als Verklumpungen im Gehirn ablagern (Amyloid-Plaque). Dem Team um Klaus Gerwert gelang es, einen Blutest zu entwickeln, der dieses Plaque im Blut nachweisen kann. Bei der Auswertung des Tests kann das Verhältnis von gesunden zu krankhaften Formen der Amyloid-β-Proteine bestimmt werden. Oskar Hansson, Lund University, erfasst waren. Diagnostiziert werden kann die Alzheimer-Erkrankung in diesem frühen Stadium nur im Gehirn mit teuren bildgebenden Verfahren, wie der Positronen-Emissions-Tomographie (PET), oder anhand veränderter Biomarker in der Rückenmarksflüssigkeit, die mit einer invasiven Lumbalpunktion gewonnen wird. Die Forscher hoffen, dass es leichter wird, die Krankheit zu stoppen, wenn sie früher erkannt wird. Die Kohortenstudie, die Hermann Brenner leitet und gemeinsam mit dem Saarländischen Krebsregister durchführt, startete im Jahr 2000. Das ermöglichte es den Wissenschaftlern, das Entstehen der Erkrankung über einen langen Zeitraum von über 15 Jahren zu verfolgen.

Bei Vergleichen mit den aufwendigen Diagnoseverfahren schnitt der neue, vergleichsweise unkomplizierte Bluttest gut ab.

Den Angaben zufolge identifizierte der Bluttest in 70 Prozent der Fälle diejenigen Probanden, bei denen sich später tatsächlich eine Alzheimerdemenz entwickelte. Diese Ergebnisse bezeichnen die Mediziner als "falsch-positiv".

"Momentan ist der Test wegen der falsch positiven Ergebnisse noch nicht zur alleinigen Frühdiagnose von Alzheimer geeignet", so Gerwert.

Der Bluttest basiert auf einer sogenannten Immuno-Infrarot-Sensor Technologie. Die unterschiedlich gefalteten Amyloid-β-Proteine absorbieren Infrarotlicht mit unterschiedlicher Frequenz. Aufgrund einer fehlerhaften Faltung der Proteinkette nimmt das pathologische Amyloid-β eine so genannte β-Faltblatt-Struktur ein, die zur Aggregation neigt, während die gesunde Struktur dies nicht tut. Wissenschaftler nennen ein solches Testergebnis "falsch positiv". Das Forscherteam möchte das Verfahren soweit verbessern, dass das Bluttest-Gerät nicht größer als eine Pralinenschachtel ist und so gute Ergebnisse liefert, dass es sich für den Routineeinsatz eignet.

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