Spohr: Frankfurter Flughafen zu teuer und nicht gut genug

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Der Lufthansa-Konzern hat seine Kapazitätsplanungen für das laufende Jahr bereits mehrfach zusammengestrichen. Hart ins Gericht ging er mit dem Frankfurter Flughafen, dem grössten Drehkreuz des Konzerns. "So lange verlagern wir unser Wachstum verstärkt nach Zürich, München und Wien".

"Wir helfen der Fraport, ihre Qualitätsprobleme in den Griff zu bekommen, indem wir den Flughafen entlasten", sagte Spohr auf die entsprechende Frage eines Aktionärs. Der Flughafenbetreiber Fraport verwies erneut auf Anstrengungen, die Personenkontrollen effizienter zu gestalten. Auch fehlten Bundespolizisten in großer Zahl, hatte Fraport-Chef Stefan Schulte vor wenigen Wochen erklärt.

Die Luftverkehrsindustrie wächst laut Spohr derzeit rund doppelt so schnell wie die Weltwirtschaft. Ersatzteile für die gängigsten Flugzeugmotoren würden knapp, während die Hersteller nicht mit den Auslieferungen neuer Maschinen hinterherkämen. Bei einem Abschwung hätte die Lufthansa jedoch einen Kapazitätspuffer von zehn Prozent nach unten, während der Wachstumspuffer nach oben noch ein bis anderthalb Prozent ausmache. "Wir können nicht so stark wachsen, wie wir wollen", sagte Spohr am Dienstag am Rande der Hauptversammlung in Frankfurt. Die Passagiere könnten nicht mehr mit immer billigeren Tickets rechnen: "Der Preisverfall wird nicht so schnell weitergehen wie in der Vergangenheit".

Spohr war mit einem Rekordgewinn im Rücken in die Hauptversammlung gegangen. Trotz aller Wirren und Auflagen der EU-Wettbewerbshüter kann Vorstandschef Carsten Spohr seinen Eignern eine positive Bilanz des Geschäftsjahres 2017 vorlegen. Davon sollen auch die Eigner profitieren, deren Dividende von 50 auf 80 Cent pro Anteil steigen soll.

Vor allem die Direktflugtochter Eurowings bereitet den Managern dabei noch Kopfzerbrechen, weil das geplante starke Wachstum nicht komplett umgesetzt werden kann. Im vergangenen Jahr war der bereinigte Gewinn um 70 Prozent auf 2,97 Milliarden Euro gestiegen, bei einem Umsatzplus von 12,4 Prozent auf 35,6 Milliarden Euro. Auf seiner ersten Versammlung als Verwaltungsratschef legt der frühere Merck-Chef und Ex-Lufthansa-Finanzchef Karl-Ludwig Kley eine Neufassung vor, die dem Vorstand mehr Spielraum bei Investitionsentscheidungen geben soll.

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