Standort Görlitz bleibt - die Unsicherheit auch

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Stattdessen soll dort nun die weltweite Zentrale für das Geschäft mit Industrie-Dampfturbinen aufgebaut werden. Kugel betonte, das die in der Region verbleibenden Mitarbeiter bei Siemens-Aktivitäten im Rhein-Main-Gebiet untergebracht werden sollen.

Manchmal passieren die Dinge so schnell hintereinander, dass man nicht an einen Zufall glauben möchte.

Der Konzern hatte zuvor angekündigt, in diesen Sparten weltweit rund 6900 Stellen streichen zu wollen, davon rund 3400 in Deutschland. Fest halte Siemens an seinem Einsparziel. Nach Schließungsplänen und Betriebsschließungen nun: ein Zukunftspakt von Unternehmensführung, Gesamtbetriebsrat und IG Metall.

Die umstrittenen Schließungspläne für den Siemens-Standort im sächsischen Görlitz sind endgültig vom Tisch. Das kündigte Personalvorständin Janina Kugel am Dienstag früh in einer Telefonkonferenz an.

In Zukunft sollen die Arbeitskräfte weitestgehend auf das Werk in Erlangen umverteilt werden (Symbolbild).

Allerdings hat die frohe Botschaft auch einen Haken: eine "Restrukturierung", also ein Abbau von Jobs, ist in Görlitz damit nicht aus der Welt. Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern würden bald beginnen, sagte eine Sprecher. Die ganz heiße Phase ist überstanden - jetzt geht es ans Eingemachte. Außerdem sollten die Standorte im sächsischen Görlitz und in Leipzig geschlossen werden. Ein Verkauf des Standorts in Leipzig wird geprüft, und ob es bei dem geplanten Abbau von 6900 Jobs bleibt, ob es weniger werden oder am Ende noch mehr, ist offen. Der Konzern will insgesamt einen "großen" dreistelligen Millionen-Euro-Betrag einsparen. Wie viele, sagte die Siemens-Managerin nicht, da dies noch Gegenstand der Gespräche über Interessenausgleich und Sozialpläne sei. Neben Werksschließungen wurden auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Aber: "Was sollen wir machen, wenn die freiwilligen Maßnahmen nicht ausreichen?"

Die IG Metall hatte einen Erhalt aller deutschen Standorte und einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen gefordert. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte bereits zu Begin des Jahres durchblicken lassen, dass Görlitz wahrscheinlich doch ein Standort des Konzerns bleibe. Der Zukunftspakt aus der Nacht ist also vor allem eines: Ein erster Kompromiss, der Spannung rausnehmen und etwas Ruhe bringen soll.

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