DFB reagiert empört Özil und Gündogan zollen Erdogan "großen Respekt"

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Inszenierte Fotos, handsignierte Trikots für Recep Tayyip Erdogan, freundliches Händeschütteln: Die deutschen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben Sport und Politik unmittelbar vor ihrer erwarteten WM-Nominierung mit fragwürdiger Wahlkampfhilfe schwerstens irritiert. Gündogan gilt in Fußballerkreisen als Persönlichkeit, die sich profund auch zu gesellschaftlichen Themen äußern kann.

Erdogans Partei AKP veröffentlichte Fotos des Treffens, an dem auch der deutsch-türkische Profi Cenk Tosun (26) vom FC Everton teilnahm.

Erdogan bereitet sich auf den am 24. Juni anstehenden türkischen Präsidentschaftswahlen vor.

Schließlich ließ Erdogan in jüngerer Vergangenheit in der Türkei etliche Oppositionelle, Journalisten und Aktivisten, zum Teil ohne Angabe von Gründen, inhaftieren.

Ziel des Präsidenten ist es, seine Macht im Land zu zementieren. Etwa 1,5 Millionen in Deutschland lebende Türken sind wahlberechtigt, hierzulande ist Erdogan der Wahlkampf untersagt. Aber ich bin kein Politiker, sondern Sportler.

Gündogan hielt sich in der Vergangenheit mit politischen Äußerungen zurück.

Und dann schreibt der Ex-Dortmunder ausgerechnet von "meinem Präsidenten".

Klar ist, dass diese private Aktion der Spieler DFB-intern nicht gerne gesehen wird. Schließlich steht das Team vor allem für Werte wie Freiheit, Toleranz und Fairplay. "Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden", kritisierte Grindel.

Sportpolitisch pikant ist der Auftritt, da die Türkei einziger Konkurrent des Deutschen Fußball-Bundes um die Ausrichtung der EM 2024 ist, die im September von der UEFA vergeben wird.

Der DFB-Präsident Reinhard Grindel meldete sich ebenfalls über Twitter zu Wort: "Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund".

Bierhoff betonte: "Die beiden waren sich der Symbolik und Bedeutung dieses Fotos nicht bewusst, aber natürlich heißen wir die Aktion nicht gut und besprechen das mit den Spielern". Die stellvertretende Vorsitzende der AfD im Bundestag, Beatrix von Storch, legte Gündogan nahe, "für seinen Präsidenten kicken zu gehen". Für Aufregung hatte 2010 ein Foto gesorgt, dass ihn mit nacktem Oberkörper an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Umkleidekabine nach dem Länderspiel gegen die Türkei in Berlin zeigte.

Özdemir, langjähriger Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen, reagierte empört.

Er riet Özil und Gündogan, "noch einmal die Begriffe Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nachzuschlagen".

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