ORF scheitert mit Plänen für eigenen Youtube-Kanal

Einstellen Kommentar Drucken

Plänen des ORF, einerseits einen eigenen Kanal auf der Online-Videoplattform YouTube einzurichten und andererseits die über Tochtergesellschaften in seinem Besitz befindliche, kommerzielle Online-Videothek "Flimmit" künftig als öffentlich-rechtliches und damit teilweise gebührenfinanziertes Angebot aufzusetzen, hat die Medienbehörde KommAustria in der vom ORF beantragten Form eine Absage erteilt.

Insgesamt erkennt die KommAustria daher nicht, wie der ORF mit seinem Finanzierungskonzept das Kriterium der gesetzlich geforderten wirtschaftlichen Tragbarkeit sicherstellen will und kommt daher zu dem Schluss, dass der Genehmigungsantrag abzuweisen ist.

Die noch nicht rechtskräftigen Bescheide zu beiden Verfahren sind auf der Website der RTR-GmbH unter https://www.rtr.at/de/m/KOA1127818001 ("YouTube") und https://www.rtr.at/de/m/KOA1128018004 ("Flimmit neu") veröffentlicht.

Dabei hält die KommAustria es zwar für wünschenswert, dass öffentlich-rechtliche Inhalte online auffindbar sind. Die Behörde stellt deshalb fest, dass eine exklusive Kooperation des ORF mit YouTube andere, vergleichbare Unternehmen diskriminieren würde und damit dem ORF-Gesetz widerspräche. Auf dem Channel sollten dabei unter anderem Sendungen angeboten werden, die aufgrund gesetzlicher Beschränkungen derzeit auf der ORF-eigenen Online-Videoplattform, der ORF-TVthek, nicht länger als sieben Tage bereitgestellt werden können. Nach ihrem Befund ist das Vorhaben nicht "wirtschaftlich tragbar", wie es das ORF-Gesetz fordert. Laut KommAustria wäre es durchaus denkbar, eine Ausweitung der generell auf sieben Tage beschränkten Bereitstellungsdauer von Sendungen auf der ORF TVthek im Zuge einer Auftragsvorprüfung vorzunehmen. Man wolle damit der gewandelten Mediennutzung Rechnung tragen und vor allem jüngeres, digital affines Publikum erreichen, schrieb der ORF damals in seinem Antrag. "Zudem hätte auch diese Maßnahme zu einer Verwässerung des öffentlich-rechtlichen Profils des ORF beigetragen", so Drumm. Die Entscheidung der Behörde nehme man zur Kenntnis und schaue sich den Bescheid genau an. "Allerdings wird das Projekt eines eigenen Youtube-Channels jetzt nicht mehr weiterverfolgt", heißt es am Küniglberg. Der ORF werde sich nun darauf konzentrieren, die für den Youtube-Channel vorgesehenen Features künftig im Rahmen der ORF-Onlineangebote zu realisieren.

Nicht nur der YouTube-Kanal des ORF wird zerschmettert, sondern auch ein weiteres Onlinevideo-Vorhaben des öffentlich-rechtlichen Senders: Der ORF möchte das VOD-Portal 'Flimmit' zu einem teils gebührenfinanzierten Dienst umgestalten. "Bei dem vorgelegten Finanzierungskonzept für die neue Videothek bleibe völlig unklar, wie groß der Anteil sei, der aus dem ORF-Programmentgelt einfließen müsste". Die Ausführungen der Behörde werde man "genau analysieren und anschließend die weitere Vorgangsweise festlegen".

Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) begrüßt die Entscheidung der KommAustria sehr, wie aus einer Reaktion am Montag hervorgeht.

Comments