Air France-KLM stellt Übergangslösung nach Chef-Rücktritt vor

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Aber die jüngsten Erschütterungen gehen übers Gewohnte hinaus. Für Reisende heißt das: Sie müssen weiter mit Streiks und Flugausfällen rechnen. Analysten sehen in der Abstimmung einen schweren Rückschlag bei der Sanierung der französischen Sparte Air France. Der bisherige Konzernchef Jean-Marc Janaillac hatte nach einer Schlappe im Tarifkonflikt in Frankreich seinen Rücktritt angekündigt. Was für Europas viertgrößtes Luftfahrtunternehmen heißt: Es muss versuchen, ohne Pilot aus der Krise zu fliegen. Nachfolgekandidaten sind bisher nicht in Sicht. Die Interimsführung sollte nach der Hauptversammlung des Konzerns am Dienstagnachmittag das Ruder übernehmen. Der französische Staat hält gut 14 Prozent des Kapitals an Air France-KLM. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sagt, er sehe für Air France nur noch zwei Möglichkeiten: "Entweder das Unternehmen wird wettbewerbsfähiger oder es verschwindet".

Anders als die Anleger und der Minister beurteilen die Gewerkschaften die Aussichten des Luftfahrtunternehmens durchaus positiv. Die Mitarbeiter von Air France lehnten seinen Kompromissvorschlag zur Lösung des Tarifstreits ab. In der Tat hat Air France-KLM 2017 mit 1,5 Milliarden Euro einen Rekordgewinn erzielt. Die Lufthansa oder auch IAG ( British Airways, Iberia) haben 2017 aus überraschend niedrigen Treibstoffpreisen und weltweit steigendem Passagieraufkommen zudem wesentlich mehr gemacht.

Hinzu kommt, dass die Gewinnaussichten für Europas große Airlines in diesem Jahr deutlich schlechter sind. Die Kerosinpreise steigen. Billiganbieter verschärfen den Wettbewerb auf Kurzstrecken. Auf Langstrecken wird die Konkurrenz aus China und den Golfstaaten stärker. Vereinzelt wird spekuliert, ob Air France das Schicksal der bankrotten, seit Mai vergangenen Jahres zum Verkauf stehenden Alitalia ereilen wird. Anders als die Alitalia-Manager hat der 2016 angetretene Janaillac wichtige Weichen gestellt. Er soll das operative Geschäft in einem Dreimannkomitee mit den Chefs der beiden Konzernsparten Air France und KLM, Franck Terner und Pieter Elbers, steuern.

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