Kampfstoff und Nervengift Rechercheverbund: BND beschaffte sich Probe von Nowitschok

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Skripal und seine Tochter Julia waren Anfang März im südenglischen Salisbury vergiftet worden.

Der mutmaßliche Einsatz von Nowitschok gegen Sergej Skripal und seine Tochter führte zu einer diplomatischen Krise zwischen Moskau und dem Westen.

BerlinDie Erkenntnisse über das in der Sowjetunion entwickelte Nervengift Nowitschok stammen einem Medienbericht zufolge maßgeblich aus einer geheim gehaltenen Operation des Bundesnachrichtendienstes (BND). Nun wollen "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR gemeinsam mit der "Zeit" herausgefunden haben, dass sich Deutschland Mitte der 90er Jahren eine Probe des Nervengifts verschaffte. Der BND führte bereits seit einiger Zeit einen russischen Wissenschaftler als Quelle, der angeboten hatte, das bis dahin sorgsam gehütete militärische Geheimnis einer neuen Klasse von chemischen Kampfstoffen gegen die Zusicherung eines sicheren Aufenthaltsstatus für sich und seine Familie zu verraten. Auch die Bundeswehr sei in den Vorgang eingebunden gewesen, berichten die Medien unter Berufung auf Personen, die an der Entscheidung beteiligt gewesen seien. Die Bundesregierung und der BND erklärten demnach auf Anfrage, zu "nachrichtendienstlichen Angelegenheiten grundsätzlich nur den geheim tagenden Gremien des Deutschen Bundestages" Auskunft zu geben.

Die Behörden dekontaminieren aufwendig die Orte, an denen sich Sergej Skripal und seine Tochter am.

In einigen Nato-Ländern soll es auch zu der Produktion von winzigen Mengen des Giftes gekommen sein, um eigene Schutzausrüstung, Messgeräte und mögliche Gegenmittel zu testen. "Wir wollten auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als würden wir uns für Chemiewaffen interessieren", wird eine mit den damaligen Diskussionen vertraute Person zitiert.

Mit Wissen von Kanzleramt und Bundesverteidigungsministerium sei die Probe deshalb in einem Labor in Schweden analysiert worden, nur die Formel sei an den BND und das Ministerium übermittelt worden. Was aus der Probe wurde, ist laut dem Bericht unklar. Auch die Bundeswehr sei in den Vorgang eingeschaltet gewesen. Auf Weisung des damaligen Kanzlers Helmut Kohl habe der BND daraufhin unter anderem die Geheimdienste in den USA und Großbritannien informiert. Um das gute Verhältnis zum damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin nicht zu belasten, entschied sich die Bundesregierung dem Bericht zufolge, die Existenz von Nowitschok nicht öffentlich zu machen.

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