Nach Massaker im Gazastreifen: Türkei weist israelischen Botschafter aus

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Dort wurde ein junger Israeli, der eine Kippa trug, von einem Palästinenser aus Syrien angegriffen.

Das Vorgehen der israelischen Soldaten mit den Schüssen auf Demonstranten sei unverhältnismäßig gewesen, sagte Abdel-Shafi, der Botschafter in Österreich und Slowenien ist, im Deutschlandfunk (Audio-Link). Am schärfsten reagierte der türkische Präsident Recep Tayipp Erdogan auf den Tod von mehr als 60 Palästinensern.

Ein Sprecher der britischen Premierministerin Theresa May erklärte, die Botschaftsverlegung sei "nicht hilfreich für den Friedensprozess in der Region". Auch Belgien zitierte den israelischen Botschafter wegen der Ereignisse in sein Aussenministerium, und Südafrika berief seinen Botschafter zwecks Beratungen nach Hause zurück. Israel forderte seinerseits den türkischen Konsul auf, das Land für "einige Zeit" zu verlassen.

Das Außenministerium in Ankara teilte mit, die Verlegung der US-Botschaft sei "juristisch null und nichtig" und missachte die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes. Ankara habe für Freitag einen Sondergipfel der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Istanbul einberufen. Im Anschluss sei in der Stadt ein großer Protestmarsch gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen geplant. Auch Saudi-Arabien verurteilte die Gewalt und die Verlegung der Botschaft.

Die Bundesregierung zeigte sich besorgt über die "schrecklichen Geschehnisse" in Gaza. "Das was Israel macht, ist ein Genozid".

Am Abend gab es eine Sondersitzung im UN-Sicherheitsrat.

Eine unabhängige Untersuchung der Konfrontationen lehnen die USA ab. Diesen Entwurf blockierten die USA jedoch. Mit der Fokussierung auf den Iran hat das Schicksal der Palästinenser vor allem in den Golfstaaten an Aufmerksamkeit eingebüßt.

Der UN-Menschenrechtsberichterstatter in den Palästinensergebieten, Michael Lynk, sagte, Israels Vorgehen könnte einem Kriegsverbrechen entsprechen. Aus der Menge wurden Steine und Brandsätze auf israelische Sicherheitskräfte geworfen. Der Hamas warf er vor, sie lege es auf eine Eskalation der Gewalt an. Die von Tel Aviv nach Jerusalem verlegte US-Botschaft sei gleichbedeutend mit "einem neuen amerikanischen Siedler-Außenposten".

Nach den tödlichen Konfrontationen von Palästinensern und israelischen Soldaten an der Gaza-Grenze lähmt ein Generalstreik am sogenannten Nakba-Gedenktag die Palästinensergebiete und Ost-Jerusalem.

Ein Ende der Unruhen ist nicht zuerwarten, haben doch alle politischen Fraktionen für Dienstagmittag zu Protesten an israelischen Armeekontrollpunkten im Westjordanland aufgerufen. Auch er verhängte eine dreitägige Trauer und beschloss, seine Botschafter in den USA und in Israel zu Konsultationen zurückzurufen.

"Wir verurteilen die unverhältnismäßige Gewaltanwendung Israels gegen Palästinenser, die heute an friedlichen Protesten in Gaza teilgenommen haben", hieß es darin. Bei den Protesten waren mindestens 58 Menschen ums Leben gekommen.

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