Zahl der Drogentoten erstmals wieder leicht gesunken

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Oft ist es eine verhängnisvolle Überdosis, manchmal ein mysteriöser Mix: Illegale Drogen haben erstmals wieder etwas weniger Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Das waren 3 mehr als 2016, wie aus einer am Dienstag veröffentlichen Statistik der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, hervorgeht.

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist erstmals seit 2012 wieder leicht gesunken. Zu schaffen machen Experten auch neue, schwer analysierbare Substanzen.

Hauptursache für einen Drogentod sind nach wie vor Überdosierungen von Opioiden wie Heroin und Morphin, wie der Leiter des Instituts für Therapieforschung in München, Ludwig Kraus, erläuterte. Die Zahl ging jedoch von 789 auf insgesamt 707 Todesfälle zurück. Gleichzeitig stieg die Zahl der Süchtigen, die durch den Konsum von Kokain oder Crack zu Tode kamen.

Mit Sorge beobachten Fachleute eine immer größere Palette neuer meist synthetischer Wirkstoffe. Keiner wisse so genau, was in neuen psychoaktiven Stoffen (NPS) drinstecke, sagt Kraus. "Das ist eine Blackbox". Demnach starben im vergangenen Jahr 1.272 Männer und Frauen am Konsum illegaler Substanzen.

Nach Jahren steigender Totenzahlen scheint der Trend gebrochen. Mehr wurden in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Niedersachsen und Thüringen registriert - im Saarland blieb die Zahl stabil. Auch die aktuelle Zahl stehe noch für unermessliches Leid und 1272 Lebenswege, die anders verlaufen seien, als man es sich gewünscht habe. Nötig sei weiter engagierte Vorbeugung, für die Kommunen auch genug Geld bereitstellen müssten. Je 100.000 Einwohner die meisten Toten gab es in Berlin, die wenigsten in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Drogenbeauftragte Mortler nannte als wichtigstes Ziel, die Drogensüchtigen deutliche früher als bisher mit Hilfsangeboten zu erreichen. "Wenn schon der Job, die Familie und die Wohnung weg sind, ist es häufig zu spät", sagte sie. Bewährt hätten sich Therapien mit Ersatzstoffen, an die Patienten überall leichter herankommen müssten. Allerdings wurde das Niveau von 2015 mit 19 Drogentoten nicht erreicht.

Die FDP will auch grundlegend neue Ansätze. 2012 hatte das Bundeskriminalamt 944 Todesfälle durch Drogenmissbrauch dokumentiert. Sinnvoll wäre eine kontrolliert Abgabe etwa von Cannabis in Apotheken und anderen speziell lizensierten Stellen.

Erst im Dezember hatte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen ihr Jahrbuch Sucht vorgelegt und war zu dem Schluss gekommen, dass nach wie vor die legalen Drogen Alkohol, Tabak und Medikamente für den größten Teil der Suchtproblematik in Deutschland verantwortlich sind.

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