Fall Susanna: Kommt Ali Bashar eventuell wieder frei?

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Die irakische Regierung kritisierte die Übergabe von Ali B.an Deutschland dagegen als Rechtsverstoß.

Der Einsatz sei "komplett" von der Bundespolizei ausgeführt worden, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums in Berlin. Den Verstoß hätten sowohl die kurdische Regionalregierung als auch Deutschland begangen.

Das Außenministerium teilte mit, zwischen beiden Ländern gebe es kein Auslieferungsabkommen.

Das Vorgehen der Ermittler im Mordfall Susanna hat die Regierung des Irak verärgert. Schon dies zeigt, dass sich die deutschen Behörden mit der Rückführung von Ali B. diplomatisch und juristisch auf schwierigem Terrain bewegen. Die deutschen Beamten seien lediglich an Bord der Linienmaschine gewesen, um dort die Luftsicherheit zu gewährleisten, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Am Montag hatte sich die Bundesregierung erleichtert über die Überstellung des Tatverdächtigen nach Deutschland gezeigt. Die Bundesregierung betont, es habe sich formell nicht um eine Auslieferung, sondern um eine Abschiebung gehandelt. Zuständig gewesen wäre allenfalls das Justizministerium der Zentralregierung in Bagdad. Eine offizielle Protestnote des Irak blieb allerdings zunächst aus. "Uns ist keine Note zugegangen", versicherte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin. Deutschland sei zwar gesprächsbereit, aber "bisher ist die irakische Seite nicht auf uns zugegangen, um über diesen Fall zu sprechen".

Der irakische Flüchtling Ali B. wird verdächtigt, die 14-jährige Susanna in Wiesbaden vergewaltigt und getötet zu haben.

Der Verdächtige Ali Bashar war nach der Tat in die kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak geflohen und dort festgenommen worden.

Dieter Romann, Chef der Bundespolizei, war persönlich in den Nordirak geflogen, um den Verdächtigen abzuholen. Kurdische Sicherheitskräfte übergaben ihn am Samstag in der Regionalhauptstadt Erbil an Bundespolizisten, die ihn zurück nach Deutschland brachten. Bei seiner Vernehmung gestand er, das aus Mainz stammende Mädchen umgebracht zu haben, bestritt aber eine Vergewaltigung.

Ali. B. sitzt seit Sonntag in Frankfurt in Untersuchungshaft. Die neue Altersangabe soll auf Informationen des irakischen Generalkonsulats in Frankfurt beruhen. Durch die Klarstellung seines Alters könnte dem Iraker allerdings eine härtere Strafe im Fall einer Verurteilung drohen, da er zur Tatzeit womöglich bereits 21 Jahre alt war und damit das deutsche Jugendstrafrecht nicht mehr zur Anwendung kommen könnte.

Über dieses Thema berichtete SWR Aktuell am 13. Juni 2018 um 09:47 Uhr.

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