Kompromiss im Namensstreit: So heißt Mazedonien jetzt | Politik

Einstellen Kommentar Drucken

Aber weil der Nachbar Griechenland fürchtete, Mazedonien würde irgendwann Anspruch auf die gleichnamige griechische Provinz anmelden, blockierte es die Versuche des Landes, der Nato beizutreten und EU-Beitrittsverhandlungen aufzunehmen. Danach müsse sie dem Parlament in Skopje zur Billigung "vorgelegt" werden. Das teilte der griechische Regierungschef Alexis Tsipras nach Gesprächen mit seinem mazedonischen Amtskollegen Zoran Zaev mit. Vorangegangen waren mehrmonatige Verhandlungen zwischen beiden Staaten Südosteuropas unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen (UNO). Der Namensstreit geht auf den Zerfall Jugoslawiens Anfang der 1990er Jahre zurück, als die damalige Teilrepublik Mazedonien ihre Unabhängigkeit erklärte. Er trug somit den gleichen Namen wie eine Region in Griechenland.

Setzt Mazedonien die Vereinbarung tatsächlich um, wird für das Land auch der Weg frei für den Beitritt zur Nato und für die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen. Das griechische Parlament werde dies jedoch erst tun, wenn die Regierung des Nachbarstaates die Verfassungsänderung in die Tat umgesetzt habe, betonte Tsipras. Das Wichtigste dieser Vereinbarung ist laut Tsipras, dass der nördliche Nachbar Griechenlands nicht mehr mit dem antiken Mazedonien verwechselt werden kann, das Athen als Teil seiner Geschichte versteht. "Nur so können wir die europäische Perspektive für die Länder des Westbalkans glaubwürdig aufrechterhalten". Die mazedonische Regierung hofft nun, dort einen konkreten Termin zur Einleitung der Beitrittsverhandlungen zu erhalten.

Tsipras und Zaev hatten sich in den vergangenen Monaten in dem Konflikt einander angenähert; beide sahen sich massivem Widerstand in ihren Ländern gegenüber. Zaev sprach in Skopje von einer "historischen Einigung". Die neoliberale Kathimerini ist weniger euphorisch und titelt: "Deal mit Lücken und Fragen". "Es ist ein nationaler Rückzug, dass Athen die Existenz einer mazedonischen Sprache und einer mazedonischen Ethnie akzeptiert hat", twitterte ND-Parteichef Kyriakos Mitsotakis am Dienstag.

In einer schriftlichen Erklärung warf der Oppositionsführer Ministerpräsident Tsipras "geheime Diplomatie" vor. In der albanischen Bevölkerungsgruppe Mazedoniens, die etwa einer Viertel der zwei Millionen Einwohner des Kleinstaates stellt, wurden Rufe nach einem Anschluss an den Nachbarstaat Albanien laut, wenn Mazedoniens Weg gen Westen dauerhaft versperrt bleiben sollte. Griechenland werde dann folgen. Und die nationalistische Opposition in Mazedonien wird alles daransetzen, ein solches Referendum zum Scheitern zu bringen - ausnahmsweise unterstützt von griechischen Nationalisten.

Comments