Berlinale: Das ist die neue Leitung des Filmfests

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Carlo Chatrian wird der künstlerische Leiter der Berlinale (was einer neu geschaffenen Stelle entspricht); die bisherige German-Films-Chefin Mariette Rissenbeek wird Geschäftsführerin (und somit die offizielle Nachfolgerin Kosslicks).

Nachvollziehen lässt sich die vom Aufsichtsrat der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin (KBB) abgesegnete Wahl: Vermieden werden sollte offenbar, eine Kandidatin ins Rennen zu schicken, der zu viel Stallgeruch der deutschen Filmförderung anhaftet und die deshalb nicht für den vehement geforderten Neuaufbruch nach der Ära Dieter Kosslick steht.

Chatrian und Rissenbeek erhalten beide einen über fünf Jahre laufenden Vertrag. Das nächste Filmfest von Locarno findet vom 1. bis 11. August statt. Mariette Rissenbeek stehe derweil für "Kontinuität und filmwirtschaftliche Kompetenz". Carlo Chatrian nennt sich selbst "filmverrückt", ist experimentierfreudig und ebenfalls bestens vernetzt.

Auf Chatrian wartet in Berlin mit dem weltweit größten Publikumsfestival eine Mammutaufgabe. Angesichts sich verändernder Sehgewohnheiten werden sich auch die Filmfestivals maßgeblich verändern müssen. "Man muss etwas drumherum bieten". "Aber ich sehe es auch als Chance". Chatrian sagte, er sei stolz und geehrt, Teil der langen, glorreichen Geschichte der Berlinale zu werden.

"Ich fühle mich, als ob ich einen Preis bekomme - obwohl ich noch gar nichts getan habe", meinte der zurückhaltende Chatrian angesichts des Blitzlicht-Gewitters der vielen Journalisten bei seiner Vorstellung.

Der publikumswirksame Auftritt im Blitzlichtgewitter war bisher nicht Chatrians Sache. Sein Motto lautet "Hier sind die Filme die Stars!". Er spreche ja kein Deutsch. Der Filmkenner wurde in Turin geboren und studierte dort Literatur und Philosophie. Der gebürtige Turiner arbeitet seit den 1990er Jahren als Filmkritiker.

Chatrian ist seit 2012 künstlerischer Leiter des Filmfests von Locarno. Er hat ein Gespür für die Bedürfnisse des breiten Publikums wie der Fachbesucher. Er weiß um den Wert eines kommerziell gewichtigen Filmmarkts, dem von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen Herzstück der Berlinale für professionelle Filmeinkäufer.

Dem deutschen Kino zeigte sich Chatrian als Locarno-Chef stets engagiert verbunden. So zeigte das Festival 2016 eine viel beachtete Retrospektive zum ost- und westdeutschen Kino der 1950er- und 1960er-Jahre. Regelmäßig lud er - mehr als etwa in Cannes üblich - deutsche Filme in den Wettbewerb ein.

Rissenbeek gehörte gemeinsam mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Björn Böhning, dem ehemaligen Chef der Berliner Senatskanzlei, der Findungskommission für die Nachfolge von Dieter Kosslick an.

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