Annapolis: Bewaffneter erschießt mindestens fünf Menschen in US-Zeitungsredaktion

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Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Der Verdächtige werde vernommen. Über ein mögliches Motiv wurde zunächst nichts bekannt. Einem Ermittler zufolge verstümmelte sich der Mann vor der Tat zudem die Finger. Damit habe er offenbar einen Abgleich seiner Fingerabdrücke durch die Polizei verhindern wollen. Schließlich konnten die Personalien aber auf anderem Wege, unter anderem durch Gesichtserkennungsprogramme, identifiziert werden. Später sagte ein Behördenvertreter, die Identität des mutmasslichen Todesschützen sei dank Gesichtserkennungstechnologie bestimmt worden.

Der Schütze war mit Rauchgranaten bewaffnet und soll um 14.40 Ortszeit in der Redaktion der Zeitung mit einer Schrotflinte um sich geschossen haben.

"Capital Gazette"-Reporter Phil Davis schrieb auf Twitter, ein Bewaffneter habe "durch die Glastür ins Büro geschossen und das Feuer auf mehrere Mitarbeiter eröffnet". Nach Schilderung von Augenzeugen haben sich Beschäftigte unter Schreibtischen versteckt, um sich vor den Schüssen zu schützen. Augenzeugen berichteten, wie sich der Schütze seinen Weg in Richtung der Schreibtische gebahnt hatte, wo ein Teil der Führungsmannschaft der Zeitung saß. Die Polizei sei extrem schnell, binnen 60 Sekunden, am Ort des Geschehens gewesen. Dies deutet darauf hin, dass die Ermittler zunächst nicht von einem politischen Hintergrund ausgehen.

Der Bezirkssheriff Ron Bateman sagte dem Sender Fox News, ein verdächtiger junger Mann sei in Gewahrsam genommen worden.

Die "Capital Gazette" zählt zu den ältesten Tageszeitungen in den USA. Die überregionalen Nachrichten kommen von der Muttergesellschaft, der Baltimore Sun.

Annapolis mit seinen 40.000 Einwohnern ist die Hauptstadt des Bundesstaates Maryland und liegt unweit der US-Hauptstadt Washington.

Mindestens fünf Personen seien getötet worden, mehrere Menschen erlitten Verletzungen, sagte Polizeichef Bill Krampf. Er sei nur bedingt kooperativ, hieß es von der Polizei. Dies nicht "aufgrund einer bestimmten Bedrohungslage, sondern aus einem Übermass an Vorsicht", wie Miller mitteilte.

Die US-Behörde für Schusswaffenkontrolle (ATF) teilte via Twitter mit, ihre Mitarbeiter seien wegen einer Schießerei bei der "Capital Gazette" im Einsatz. Die Polizei räumte das Areal und rief die Bevölkerung auf, sich fernzuhalten. Es werde geprüft, ob er für die Drohungen verantwortlich sei, die die Zeitung im Internet erhalten habe. Sie seien über soziale Medien ausgesprochen worden, sagte Krampf in der Nacht zu Freitag. Details zu Inhalt und Urheber nannte er nicht.

Über den Täter sagte ein Polizeisprecher: "Nach meinen Erkenntnissen war er verärgert über die Zeitung als Ganzes".

Demnach ging der Angreifer gezielt vor und "suchte nach seinen Opfern". Der US-Sender NBC berichtete, der Tatverdächtige habe vor Jahren einen Rechtsstreit gegen das Blatt verloren.

Der Gouverneur des Bundesstaates Maryland, Larry Hogan, zeigte sich betroffen. "Bitte achten Sie auf alle Warnungen und halten Sie sich von dem Gebiet fern", erklärte er.

In den vergangenen Monaten hatte es in den USA wieder zahlreiche tödliche Schießereien mit hohen Opferzahlen gegeben. Sie hatten die Debatte über Verschärfungen des US-Waffenrechts angeheizt. Trump unterstützt in dieser Debatte die mächtige Waffenlobby NRA, die Einschränkungen ablehnt. US-Präsident Donald Trump ließ sich nach Angaben des Weißen Hauses über die Geschehnisse in Annapolis auf dem Laufenden halten.

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