US-Zeitung nach Angriff: "Heute sind wir sprachlos"

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Einen Tag nach dem Angriff auf eine US-Lokalzeitung haben trauernde Journalisten ihrer getöteten Kollegen in der neuen Ausgabe ihres Blattes gedacht. "Wir sind untröstlich, am Boden zerstört. Unsere Kollegen und Freunde sind weg", schrieb der Herausgeber der "Capital Gazette", Rick Hutzell, auf der Titelseite, die das Blatt am Freitag vorab über Twitter veröffentlichte. Unter den Opfern sind zwei Frauen - eine Verkaufsassistentin, die erst seit kurzem bei dem Blatt arbeitete, sowie eine Lokalreporterin und Kolumnistin. Getötet wurden auch ein langjähriger Sportjournalist, ein Leitartikel-Autor und der stellvertretende Chefredakteur.

Nach unterschiedlichen Medienangaben sind bei dem Vorfall mindestens zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt worden. Sie verdienen nicht viel Geld.

Die Überlebenden der Redaktion in Annapolis haben ihren Job einfach weitergemacht. Es handele sich um einen erwachsenen Mann Ende 30, der aus der Region stamme.

Der mutmassliche Schütze verstümmelte sich vor seiner Tat die Finger.

Die Polizei hat einen Verdächtigen festgenommen und identifiziert. Ermittler erklärten, er verhalte sich nicht kooperativ. Spekulationen über das mögliche Motiv des Täters schossen ins Kraut. R. hatte die Zeitung 2012 wegen Diffamierung verklagt, ein Richter die Klage aber abgewiesen.

Die US-Behörde für Schusswaffenkontrolle (ATF) teilte via Twitter mit, ihre Mitarbeiter seien wegen einer Schießerei bei der "Capital Gazette" im Einsatz. Zu einem Schusswechsel sei es nicht gekommen. Auch und gerade am Tag nach den schrecklichen Ereignissen sollte die "Capital Gazette" erscheinen. Unter anderem hatte er Flüssigkeiten dabei, die Rauch verursachten. Ermittler durchsuchten am Freitag das Wohngebäude in Laurel, in dem er lebte. Gegen die Zeitung habe es Drohungen im Internet gegeben, sagte Polizeisprecher Bill Krampf.

Die Mitarbeiter der Zeitung versuchen, zu fliehen. Phil Davis, ein Polizeireporter des Blatts, der sich zum Zeitpunkt des Angriffs in der Redaktion befand, schrieb auf Twitter: "Ein Schütze hat durch die Glastür des Büros geschossen und das Feuer auf mehrere Mitarbeiter eröffnet".

"Ich bin ein Polizeireporter".

Ein Mann stürmt in die Redaktionsräume einer Zeitung nahe Washington und schießt um sich. US-Präsident Trump unterstützt darin die mächtige Waffenlobby NRA. "Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Angehörigen der Opfer", sagte er bei einer Pressekonferenz. Was dann später am Abend bekannt wird, bestätigt die Theorie des aufgestachelten Trump-Anhängers nicht. Im Gebet denke er an die Opfer und deren Familien. Trump teilt immer wieder hart gegen die sogenannten "Fake News"-Medien aus, die seiner Ansicht nach falsch über ihn und seine Politik berichten". In New York verschärfte die Polizei die Sicherheitsmassnahmen für grosse Medieneinrichtungen. "Ich weiss nicht, wie viele Seiten es geben wird, aber wir arbeiten zu dritt", sagte der Reporter Chase Cook.

Die "Capital Gazette" ist ein kleines Lokalblatt mit einer Auflage von rund 40'000 Exemplaren.

Die 1727 in Annapolis gegründete "Capital Gazette" gehört zur größeren "Baltimore Sun". Annapolis hat 40'000 Einwohner und ist die Hauptstadt des Bundesstaates Maryland.

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