Gedenken: Steinmeier erinnert an Opfer des deutschen Vernichtungsfeldzugs in Weißrussland

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Wegen eines Hydraulikschadens am Regierungs-Airbus A340 konnte Frank-Walter Steinmeier am Freitagmorgen zunächst nicht nach Minsk starten, wo er an der Einweihung einer Gedenkstätte für Zehntausende von den Nazis ermordete Juden und Widerstandskämpfer teilnehmen will.

Bundespräsident Steinmeier hat vor seinem Besuch in Weißrussland die Bedeutung der Erinnerung an die NS-Verbrechen hervorgehoben.

Auch vor dem Hintergrund der Debatte über Erinnerungskultur in Deutschland wollte Steinmeier seine Teilnahme an der Gedenkveranstaltung als klares Zeichen gegen das Verdrängen verstanden wissen.

Mehr als ein Viertel der Bevölkerung von Weißrussland habe die Zeit der deutschen Besatzung nicht überlebt. Umso dankbarer sei er für die Bereitschaft der weißrussischen Bevölkerung zur Versöhnung, sagte der Bundespräsident. Dort war das größte Vernichtungslager der Nazis auf dem Boden der früheren Sowjetunion. Der Ort, von der deutschen Wehrmacht als "Lebensraum im Osten" in Besitz genommen, sei "ein Ort des Todes" gewesen, sagte Steinmeier. Die Erschießungen und Vergasungen fanden in den Wäldern in der Nähe eines Zwangsarbeiterlagers statt. "Heute besteht die Verantwortung darin, das Wissen um das, was hier geschah, lebendig zu halten". Nach jüngsten Forschungen wurden dort zwischen 1942 und 1944 etwa 40 000 bis 60 000 Menschen erschossen oder vergast, darunter Juden aus dem Minsker Ghetto, aber auch aus Deutschland und Österreich.

Der Bau des neuen Erinnerungsortes wurde mit einer Million Euro aus Deutschland unterstützt - neben dem Auswärtigen Amt beteiligten sich Kommunen, Kirchen, private Spender, die Bethe-Stiftung und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge an der Finanzierung.

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