Stahlfusion mit Tata ebnet Weg für Thyssenkrupp-Konzernumbau | Wirtschaft

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"Thyssenkrupp Tata Steel ist machbar", sagte Detlef Wetzel, der die IG Metall als Vize-Aufsichtsratschef in der Thyssenkrupp-Stahlsparte vertritt, unserer Redaktion. Die zuständigen Wettbewerbsbehörden, unter anderem in der EU, müssen den Zusammenschluss allerdings noch billigen. Der Siemens-Konzern etwa, der mit Telegrafen begann - Nachrichtenübermittlung also - stellt schon seit Jahren keine Telefone mehr her. Das geht aus einem Schreiben von Stahlchef Andreas Goss an die Mitarbeiter hervor, das der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ, Samstagausgabe) vorliegt.

Zuletzt sei insbesondere die Bewertung der Stahlsparte von Thyssenkrupp strittig gewesen, die sich deutlich besser entwickelt habe als das Europageschäft von Tata, hieß es. Aus den beiden wird der zweitgrößte Stahlkonzern Europas. "Das ist eine gute Nachricht für den Stahl und wegweisend für unsere Zukunft", so der Manager. ThyssenKrupp wie Tata soll daran mit jeweils 50 Prozent beteiligt sein. "Mit diesem Zusammenschluss sind wir besser aufgestellt - durch einen besseren Zugang zu Kunden und Regionen".

Mit der Zustimmung der Arbeitnehmervertreter ist auch eine Mehrheit für das Joint Venture im Aufsichtsrat des Konzerns so gut wie sicher, weil die Gewerkschafter und Betriebsräte die Hälfte der 20 Sitze innehaben.

Die deutschen Stahlkocher hatten zuvor eine Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erhalten.

Ein Knackpunkt war bis zuletzt, wie der Wert der Unternehmen, aus denen der neue Stahl-Gigant entstehen soll, fair zu bewerten ist. "Das größte Problem der Stahlindustrie ist, dass die Nachfrage durch den wirtschaftlichen Strukturwandel abnimmt."Viele Produkte wie Autos würde immer leichter und enthielten daher weniger Stahl". Der Aufsichtsrat des Konzerns wird die Fusion laut Medienberichten am Freitag besiegeln. "Es kann doch nicht sein, dass Thyssenkrupp wie ein Gebrauchtwagen ausgeschlachtet werden soll und die Menschen auf dem Schrott landen sollen", sagte Segerath mit Blick auf eine mögliche Zerschlagung des Konzerns, die von Finanzinvestoren gefordert wird. Die Investoren fordern einen raschen Umbau des Essener Traditionskonzerns, der sich ohne die Stahlsparte künftig auf das Industriegeschäft mit Aufzügen, Großanlagen und Autoteilen konzentrieren könnte. "Das ist, denke ich, weitestgehend gelungen".

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