Fusion mit Kaufhof: Karstadt-Stammsitz in Essen fällt voraussichtlich weg

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In den Verhandlungen um eine Fusion von Karstadt und Kaufhof stehen nur wenige Filialen zur Disposition.

Die Eigentümer von Karstadt und Kaufhof sind in ihren Gesprächen über ein Zusammengehen beider Warenhausketten vorangekommen. HBC lehnte eine Stellungnahme ab, ein Signa-Sprecher war zunächst nicht zu erreichen.

Die Vereinbarung sieht laut Bericht vor, dass Karstadt-Eigentümer Signa für etwa 100 Millionen Euro 51 Prozent des Warenhausgeschäfts von Kaufhof übernimmt, und zwar ohne Bankschulden. Kaufhof betreibt in Deutschland 96 Warenhäuser, Karstadt 82. Benko und der kanadische Kaufhof-Eigentümer Hudson's Bay Company (HBC) haben sich auf die entscheidenden Eckpunkte geeinigt, berichtete die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf Verhandlungskreise. Verwaltung und Einkauf sollten zusammengelegt werden. "Wir sind aber noch ein gutes Stück von einer Einigung entfernt, das kann alles wieder platzen", hieß es in den Kreisen weiter.

Karstadt-Eigentümer Benko liebäugelt seit Jahren damit, den großen Konkurrenten in sein Warenhausimperium zu integrieren. Im vergangenen Geschäftsjahr wies der Konzern bei weiterhin leicht rückläufigen Umsätzen erstmals seit zwölf Jahren unter dem Strich wieder einen bescheidenen Jahresüberschuss von 1,4 Millionen Euro aus. Bis Ende Juli solle die Übernahme abgeschlossen sein, spätestens aber in den kommenden vier bis sechs Wochen. Gibt es beispielsweise für ein Produkt bislang unterschiedliche Lieferanten für die beiden Warenhaus-Betreiber, werden sich diese eventuell einen Preiskampf liefern, um nicht aus dem Regal zu fliegen - so zumindest die Hoffnung bei Karstadt und Kaufhof.

Die Frage, ob auch die Mitarbeiter um einen Beitrag bei einer Fusion gebeten würden, ist nach Aussagen aus Verhandlungskreisen noch nicht Teil der Gespräche gewesen.

Die bei ver.di Berlin-Brandenburg für den Handel zuständige Gewerkschaftssekretärin Erika Ritter sagte dem KURIER, dass sie keine Katastrophen für die Standorte von Kaufhof, Karstadt und Karstadt Sports in Berlin erwartet: "Es ist gut, dass die Filialen nicht dicht beieinander stehen". Kaufhof-Chef Roland Neuwald verhandelt deshalb zurzeit mit der Gewerkschaft Verdi über einen Sanierungstarifvertrag, der die Kosten des Unternehmens um einen Millionenbetrag senken soll. Aktuell werden die Kaufhof-Angestellten nach dem Flächentarifvertrag entlohnt, für Karstadt gilt ein Haustarifvertrag mit schlechteren Konditionen.

"Es macht wenig Sinn zu spekulieren, was das alles für Auswirkungen haben könnte", sagte Landesfachbereichsleiter Bernhard Franke von Verdi Baden-Württemberg. Die bereits begonnenen Gespräche über einen Sanierungstarifvertrag bei Kaufhof könnten nicht vorankommen, wenn die Rahmenbedingungen für das Unternehmen völlig unklar seien. Kaufhof hat seinen Sitz in Köln, Karstadt steuert sein Geschäft aus der Zentrale in Essen.

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