Lebensversicherungen: Generali will sich von vier Millionen Verträgen trennen

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So ist vorgesehen, dass Viridium 89,9 Prozent der Anteile der Generali Leben AG erwirbt.

Der Versicherungskonzern Generali will sich von vier Millionen Lebensversicherungsverträgen in Deutschland weitgehend trennen.

Die langfristigen Zinsgarantien auf klassische Policen belasten die Bilanzen der Lebensversicherer.

Nachdem sich die Anzeichen für einen Verkauf der Generali Leben an die Viridum Gruppe letzte Woche verdichtet hatten, kommt nun die offizielle Bestätigung: Die beiden Unternehmen konnten sich einigen.

Generali will sich in Deutschland deshalb auf fondsgebundene, Hybrid-Policen und Risiko-Lebensversicherungen konzentrieren. "Die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Kunden bleiben unverändert", schreibt Generali. Bevor der Deal wirksam wird, muss aber die Finanzaufsicht Bafin zustimmen. Durch den Verkauf von Generali Leben werde sich die Kapitalquote der Deutschland-Tochter nach Solvency II um 43 Prozentpunkte verbessern. Die Generali-Aktie gewann am Morgen in Mailand mehr als zwei Prozent an Wert. Enthalten in dieser Summe: 125 Millionen Euro für mögliche Anpassungen für die Zuführungen zur Zinszusatzreserve (ZZR).

Für Viridium könnte die Übernahme von Generali Leben der Durchbruch werden. "In einer ohnehin für die Kundschaft von Kapitallebens- und Rentenversicherungen intransparenten Lage wird das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in die Lebensversicherungen weiter erschüttert", sagte BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. Viridium verwaltet bisher eine Million Verträge im Volumen von 16 Milliarden Euro, mit Generali würde sich der Bestand vervielfachen. Professionelle Abwickler setzen auf Größenvorteile und eine effiziente IT. Im Rahmen der geplanten Transaktion werde Generali die Option einer Minderheitsbeteiligung an Viridium eingeräumt. Die Münchener-Rück-Tochter Ergo hatte ebenfalls einen Verkauf ihrer Tochter Ergo Leben (Victoria, Hamburg-Mannheimer) erwogen, die Pläne aber wieder zurückgezogen.

Lebensversicherern fällt es in der Zinsflaute zunehmend schwer, an den Kapitalmärkten die hohen Garantieversprechen der Vergangenheit von bis zu vier Prozent zu erwirtschaften.

"Durch einen Unternehmensverkauf darf kein Versicherungsnehmer schlechter gestellt werden", betonte Exekutivdirektor Frank Grund.

Die Erwerber - sogenannte Run-off-Firmen - müssen die bestehenden Verträge bis zum Ablauf weiterführen. Auch Europas größter Versicherer Allianz hat einen Verkauf deutscher Lebensversicherungsbestände an einen Abwickler wiederholt ausgeschlossen.

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