"Shoah"-Regisseur Claude Lanzmann (92) ist tot"

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Zeit seines Lebens setzt sich der französische Regisseur Claude Lanzmann für die Erinnerungskultur ein.

Der französische Regisseur und Autor Claude Lanzmann ist tot. Er verstarb mit 92 Jahren in Paris. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich schrieb er für die Tageszeitung "Le Monde" eine Artikelserie über das geteilte Deutschland.

Der Sohn eines Dekorateurs und einer Antiquitätenhändlerin erlebte in seiner Jugend den zunehmenden Antisemitismus am eigenen Leib - seine Großeltern waren als jüdische Immigranten aus Osteuropa nach Frankreich eingewandert. Als 18-Jähriger schloss sich Lanzmann 1943 der Résistance an und beteiligte sich an mehreren Partisanenkämpfen.

Lanzmann war mit dem legendären Philosophen Jean-Paul Sartre befreundet und führte mit der Schriftstellerin und Feministin Simone de Beauvoir eine siebenjährige eheähnliche Beziehung.

Ende der Sechzigerjahre begann Lanzmann, sich intensiv mit dem Holocaust zu beschäftigen. Weltweite Berühmtheit bescherte ihm der zweite Teil, "Shoah", von 1985, ein neunstündiger Dokumentarfilm, dessen Titel das hebräische Wort für "Katastrophe, Vernichtung" auch in anderen Sprachen als Synonym für den NS-Völkermord an sechs Millionen europäischen Juden etablierte. Darin ließ er nicht nur Opfer, sondern auch Täter des Holocaust in Interviews zu Wort kommen. Diese mussten das Erzählte nochmals durchleben und machten den Film so zu einem "ursprünglichen Ereignis", wie Lanzmann es nannte.

Die Berlinale-Jury, die Lanzmann 2013 den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk verlieh, würdigte "Shoah" als ein "epochales Meisterwerk der Erinnerungskultur".

Noch im vergangenen Jahr hatte Lanzmann beim Filmfestival in Cannes außer Konkurrenz den Dokumentarfilm "Napalm" präsentiert, für den er 2004 und 2015 in das diktatorisch geführte Nordkorea gereist war.

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