Kultur - "Shoah"-Regisseur Claude Lanzmann gestorben"

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Das bestätigte seine Frau am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. In seinem 2009 erschienenen Erinnerungsbuch "Der patagonische Hase" beschreibt Lanzmann mit einer auch literarisch faszinierenden, durch enormen Gedankenreichtum beeindruckenden Sprache den Prozess der Arbeit an dem Film. Ein Film über den Krieg in Korea für den Lanzmann noch bis 2015 immer wieder in das kommunistische Nordkorea reiste und Fokus auf die Gräueltaten des Krieges (Abwurf von Napalm) aber auch auf die Krankenschwester in die er sich bei seinem Besuch 1958 verliebte, legt. Er liess darin Opfer und Täter des Holocaust zu Wort kommen.

Mit großer Trauer haben wir vom Tode Claude Lanzmanns gehört.

Paris. Mit seiner fast zehnstündigen Zeitzeugen-Dokumentation über den deutschen Völkermord an den europäischen Juden wurde Claude Lanzmann weltberühmt. "Seine Filme sind Filme gegen das Verschweigen, Verdrängen und Vergessen". In dieser Position wird auch noch einmal die Differenz deutlich zu den neueren, gegenüber Lanzmann durchaus kritischen Gruppierungen jüngerer Juden, die jüdische Identität und die Vielfalt jüdischer Stimmen ins Zentrum rücken und damit eine "positive" Bestimmung, aus der nicht zufällig eine diskursive Wende entstanden ist, weg von der Shoah als dem Zentralereignis des 20. Jahrhunderts, und nach vorne in eine lebbare Zukunft. "Was da geschehen ist, hätte nicht geschehen können ohne einen allgemeinen Konsens der deutschen Nation", argumentierte er 1985 in einem Interview.

Claude Lanzmann wurde 1925 in Paris als Sohn eines Dekorateurs geboren.

Die Ehrungen für Lanzmann waren am Ende zahlreich. In den Jahren 1948 und 1949 war er als Lektor an der neu gegründeten Freien Universität Berlin tätig.

Unter Lanzmanns Ägide ergriff "Les Temps moderne" in den späteren Nahostkriegen Partei für Israel.

Der Lebemann wird Teil des Freundeskreises um Sartre und Simone de Beauvoir. Zu dem Themenkomplex drehte er eine hoch gelobte Filmtrilogie, die 1973 mit seinem Regiedebüt "Pourquoi Israel" ("Warum Israel") begann, worin er sich mit dem Selbstverständnis des Staates Israel befasste. Noch 2013 präsentierte er bei den Filmfestspiele von Cannes mit "Der Letzte der Ungerechten" ein Werk, in dem er lange Interviews mit Benjamin Murmelstein, dem letzten Vorsitzenden des Judenrates von Theresienstadt, zu einem Plädoyer für dessen Rehabilitation vereinte. In anderen Fällen kam es zu rabiaten Übergriffen und Attacken von alten Nazis, deren Aussagen Lanzmann unbedingt für seinen Film benötigte.

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