Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger tritt zurück

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Nach dem voraussichtlichen Abgang von Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger haben die Arbeitnehmervertreter vor einem Ausverkauf des Mischkonzerns gewarnt. Der 58-Jährige habe Präsidium und Aufsichtsrat des in Essen ansässigen Konzerns um Gespräche gebeten, "die zur einvernehmlichen Auflösung seines Mandats als Vorsitzender des Vorstands der thyssenkrupp AG führen sollen", hieß es in einer Mitteilung des Konzerns. "Ich hätte mir gewünscht, dass Hiesinger auch die künftige Strategie des Konzerns anpackt". Der Aufsichtsrat werde am Freitag zusammentreten, um über das Rücktrittsgesuch zu entscheiden. Gründe für das Ansinnen Hiesingers nannte Thyssenkrupp zunächst keine.

Der langjährige Vorstandschef des Industriekonzerns Thyssenkrupp, Heinrich Hiesinger, tritt zurück.

Tief getroffen hat Hiesinger nach Informationen aus seinem Umfeld aber vor allem die fehlende Geschlossenheit seiner Aufsichtsräte. Voraussetzung für eine "erfolgreiche Unternehmensführung" sei "ein gemeinsames Verständnis von Vorstand und Aufsichtsrat über die strategische Ausrichtung des Unternehmens", erklärte er. Eine für kommende Woche geplante Strategieschärfung drohte zum Rohrkrepierer zu werden.

Für den seit sieben Jahren an der Spitze von Thyssenkrupp stehenden Hiesinger ist die Vereinbarung mit Tata ein lang erwarteter Befreiungsschlag.

Mit Hiesingers Schritt hat der aggressive Investor Elliott eines seiner Hauptziele in vergleichsweise kurzer Zeit erreicht.

Aktionärsvertreter waren noch davon ausgegangen, dass Hiesinger nach der Fusionsentscheidung wieder deutlich fester im Sattel sitze. Das Unternehmen des Milliardärs Paul Singer war erst Ende Mai mit weniger als drei Prozent bei den Essenern eingestiegen - und hatte indirekt Hiesinger als Grund für die vermeintlich schwache Entwicklung der Aktie verantwortlich gemacht. Forderungen von Investoren wie Cevian nach einer raschen Zerschlagung des Unternehmens hatte er aber stets abgelehnt.

Sein Aufsichtsratschef Lehner stimmte bereits am Donnerstag, also noch vor der Einigung über die Abschieds-Modalitäten, eine Eloge an: "Ohne Heinrich Hiesinger würde es Thyssenkrupp nicht mehr geben".

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