Jeremy Hunt: Jetzt ein May-Vertrauter als Außenminister

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Als ernst zu nehmender Politiker hat sich der ehemalige Londoner Bürgermeister in seinen zwei Jahren als Außenminister allerdings rasch selbst zerstört, nicht zuletzt mit seiner "bunten" Sprachwahl: Die neue Regierungslinie zum Brexit nannte er einen "polierten Scheißhaufen", vor einer Unterhausabstimmung versteckte er sich in Afghanistan, und auf dramatische Warnungen von Unternehmen wie Airbus, BMW oder Land Rover/Jaguar vor einem harten Brexit erklärte er: "Fuck business". "Wir haben keine Zweifel daran, dass die britische Regierungsseite verhandlungsfähig ist", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts.

Johnson galt als einer der Hauptkritiker Mays und hatte ihren Kurs für den Austritt Grossbritanniens aus der EU immer wieder als zu weich angegriffen - so auch nach der letzten Kabinettssitzung. Sein Nachfolger wird in Kürze bekannt gegeben.

Die Beweggründe Johnsons waren zunächst unklar.

Die Rücktritte von Außenminister Johnson und Brexit-Minister Davis erschüttern die konservative britische Regierung. Er wurde durch Dominc Raab ersetzt.

Während bislang der dickköpfige Brexit-Hardliner Boris Johnson Regierungschefin Theresa May das Leben schwer machte, übernimmt mit Jeremy Hunt ein loyaler, manche würden auch sagen, übermäßig angepasster Gefolgsmann das Außenministerium. May nahm die Demission an. Sie stimme seiner Charakterisierung der neuen Brexit-Strategie nicht zu. Am Freitagabend hatte Theresa May zum Ende ihrer Klausur in Chequers noch geglaubt, sie habe ihr tief gespaltenes Kabinett erfolgreich auf eine Brexit-Position eingeschworen. Mitarbeitern des Ministers war seit langem klar gewesen, dass Davis sich übel behandelt und zur Seite geschoben fühlte, vor allem seit May sich über ihren "persönlichen Ratgeber" Oliver Robbins mit Brüssel kurzgeschlossen hatte.

Nach Mays Vorschlag soll Großbritannien bei Waren und Agrarerzeugnissen auch nach dem EU-Austritt eng an den europäischen Binnenmarkt gebunden bleiben.

Doch die Einigung war nur unter grossem Druck zustande gekommen.

May hatte sich am Freitag im Kabinett mit ihrer Linie für einen Brexit durchgesetzt, nach der Großbritannien mit der EU in einer Freihandelszone für Industriegüter und landwirtschaftliche Produkte verbunden bleibt.

Corbyn erinnerte daran, dass seit dem Brexit-Referendum inzwischen zwei Jahre vergangen sind. Theresa May sei "eine gute Premierministerin".

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am späten Sonntagabend in Dublin verwiesen sie jedoch auch darauf, dass es noch "offene Fragen" gebe.

Eigentlich soll ein Abkommen über den britischen EU-Austritt schon im Herbst stehen, damit es noch rechtzeitig ratifiziert werden kann. Der "nächste Meilenstein" sei die Veröffentlichung des für diese Woche angekündigten "Weißbuches" aus London, das er sich ansehen und genauer analysieren wolle. Britische Medien spekulierten, ob britische Politiker nach Moskau reisen sollten, falls England das Finale der Fußball-WM erreicht.

Kurz reiste heute von Dublin aus an die irisch-nordirische Grenze.

Davis will nach eigenen Angaben May nicht stürzen. Aufgegriffene sollen künftig nach australischem Vorbild in "Hotspots" in Drittländern verbracht werden. Die Brexit-Verhandlungen treten unter österreichischer EU-Ratspräsidentschaft in die heiße Phase. Der Plan der Regierung May für eine enge Beziehung zwischen Großbritannien und der EU nach dem Brexit "läuft auf den Status einer Kolonie hinaus", schrieb Johnson. Ihr Ziel, weiterhin enge Beziehungen zur EU zu pflegen, schütze Arbeitsplätze und sei das beste für die Bevölkerung, sagte May. Das würde die britische Verhandlungsposition gegenüber der EU schwächen und dem britischen Parlament nur "illusorische Kontrolle" verleihen.

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