Nach Rücktritt von Boris Johnson: Hunt wird Außenminister

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Der Chairman der britischen Labour-Partei, Ian Lavery, stellte fest: "Das ist absolutes Chaos und Theresa May hat keine Autorität übrig". Ob May damit eine Rebellion der Brexit-Hardliner in ihrer Partei abwenden kann, scheint aber ungewiss. Ein Nachfolger ist gefunden.

Der neue Außenminister Jeremy Hunt dürfte nun vor der schwierigen Aufgabe stehen, die Position der Briten konsistent zu formulieren. Johnson gilt als wichtigster Brexit-Wortführer im Kabinett und bezeichnete Mays neue Brexit-Pläne Berichten zufolge während der Kabinettsklausur als "Scheißhaufen". Er geht offenbar im Streit um die Brexit-Politik der Regierung. Stunden vorher hatte Brexit-Minister David Davis seinen Abschied eingereicht. Dominic Raab wird indes zum siebten Brexit-Minister der Regierung May ernannt.

Am Freitag beorderte May ihr Kabinett zu einer Marathonsitzung auf den Landsitz Chequers nordwestlich von London.

Anlass war Davis zufolge eine von May erzielte Einigung im Kabinett, nach der Großbritannien nach dem Austritt teilweise in der EU-Zollunion verbleiben soll.

Er begrüßte, dass die Regierung in London in Kürze ihre Vorschläge auf den Tisch legen wolle.

Theresa May hält eine Rede im Parlament: Nach dem Rücktritt von Boris Johnson besetzt May den Posten mit Brexit-Gegner Jeremy Hunt. Fraglich ist, ob Johnson nun selbst Regierungschef werden will. Es sei der "richtige Deal für Großbritannien".

Der ehemalige Londoner Bürgermeister Johnson hatte sich im Abstimmungskampf um den Brexit 2016 für ein Ja zum Austritt aus der Europäischen Union stark gemacht. In Downing Street rechnet man zwar damit, dass sie eine solche Kraftprobe gewinnen würde - schon weil die meisten ihrer Parteigänger Neuwahlen zum Vorsitz mitten in der Schlussphase der Brexit-Verhandlungen für eine Katastrophe halten würden. Stürzen wolle er die Premierministerin nicht. Für May war bereits der Rücktritt von Davis ein heftiger Schlag. Vergangenen Freitag hatte May jedoch angekündigt, die Bedingungen für den Austritt Großbritanniens aus der EU zu mildern.

Das politische Überleben von Theresa May (61) hängt damit am seidenen Faden - mehr denn je.

Die Rücktrittswelle "erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Führung von May innerhalb ihrer eigenen Partei herausgefordert wird".

"Kurz gesagt, der Effekt dieser dramatischen Rücktritte ist, dass die Chancen des sogenannten weichen Brexits erhöht und die Chancen des harten Brexits verringert wurden". Etwa 60 Abgeordnete in ihrer Fraktion werden dazu gezählt.

Das britische Online-Medium "Independent" kann dem Rücktritt von Boris Johnson nur Positives abgewinnen. Er warf der Regierungschefin vor, die Verhandlungsposition ihres Landes in Brüssel zu schwächen und das Votum der Wähler zugunsten des EU-Austritts nicht vollständig umzusetzen.

EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte bereits nach dem Rücktritt von David Davis: "Politiker kommen und gehen, aber die Probleme, die sie für ihre Bürger verursacht haben, bleiben". "Es ist immer noch weit von einer Lösung entfernt". Diese Ansicht äußerte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Montagabend nach seinem Gespräch mit May.

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