Hoeneß zum Özil-Rücktritt: "Hat seit Jahren einen Dreck gespielt"

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Gestern Abend gab Mesut Özil (29) seinen Rücktritt aus der Deutschen Nationalmannschaft bekannt. Hoeneß selbst ist 1974 Weltmeister geworden. Dieser hatte insbesondere DFB-Präsident Reinhard Grindel attackiert und mangelnde Rückendeckung des Verbandes in der Diskussion um ein Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan beklagt. Dem DFB-Chef warf er vor, ihn als Sündenbock für "seine Inkompetenz und seine Unfähigkeit, seinen Job ordentlich zu erledigen" gemacht zu haben.

"Schweren Herzens und nach langer Überlegung werde ich wegen der jüngsten Ereignisse nicht mehr auf internationaler Ebene für Deutschland spielen, da ich dieses Gefühl des Rassismus und der Respektlosigkeit habe", schrieb Özil in der auf Englisch verfassten Erklärung. "Ich fühle mich unerwünscht und denke, dass das, was ich seit meinem Nationalmannschaftsdebut im Jahr 2009 erreicht habe, vergessen wird". Lesen Sie hier die Übersetzung. Nach seinem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wurde der Nationalspieler in der deutschen Öffentlichkeit kritisiert und auch offen angefeindet.

Das Foto habe aber keine politische Botschaft oder sei als Wahlhilfe zu verstehen gewesen, betonte Özil. "Er wird den DFB und seinen Präsidenten Grindel, den Özil offen zum Rücktritt auffordert, noch tiefer in die Krise stürzen". Ein Bekenntnis zu diesen Grundwerten sei für alle erforderlich, die für Deutschland Fußball spielen. Für den geplanten Neuaufbau des DFB-Teams durch den Bundestrainer Joachim Löw könnte sich Özils Demission gar als Chance erweisen. Es habe Fehler in der Kommunikation beim DFB gegeben, sagte er im Interview mit der dpa. "Deutschland ist ein weltoffenes Land", in dem Menschen mit Migrationshintergrund "herzlich willkommen sind", sagte sie.

Für die Nationalmannschaft sei der Rücktritt von Özil ein Segen. Zwei Herzen schlügen in seiner Brust, erklärt Mesut Özil, ein deutsches und ein türkisches. Sportlich habe Özil seit Jahren nichts in der Nationalmannschaft verloren.

Und Mesut Özil holt sich Schützenhilfe für seine Generalabrechnung ausgerechnet in seiner neuen Wahlheimat England, wenn er schreibt: "Respekt vor einem politischen Amt zu haben, ist eine Auffassung, die sicher auch die Queen und Premierministerin Theresa May vertreten haben, als sie Erdogan in London ebenfalls getroffen haben".

Innenminister Horst Seehofer ließ ausrichten, er wolle sich "in diese internen Angelegenheiten nicht einmischen". Beim Titelverteidiger blieb er wie viele seiner Mitspieler hinter den Erwartungen deutlich zurück.

Justizministerin Katharina Barley (SPD) zeigte sich besorgt.

Stuttgart - Nach dem Rücktritt von Mesut Özil aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft kommen Reaktionen von vielen Seiten. Die Schulleiterin Maike Selter-Beer wies die Vorwürfe zurück und versicherte, Özil sei weiter an der Schule willkommen. Nun bezog auch der DFB Stellung zu den Anschuldigungen.

Anstoß der Debatte sind Fotos, für die Mesut Özil am 13. Mai posierte.

Am Sonntag brach Özil in der Erdogan-Affäre sein monatelanges Schweigen und trat aus dem DFB-Team zurück.

Kritiker sahen die Fotos als Wahlhilfe für Erdogan.

Kurz nach Auftauchen der Fotos waren Özil und Gündogan sogar zu einem Gespräch bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Gast gewesen.

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