Reaktionen auf Rücktritt aus DFB-Team: Die Türkei feiert Özil

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Schließlich vergeigte Özil nicht das Weiterkommen der Elf der Engländer, die haben attraktiv aufgespielt, sondern gemeinsam mit seinen Fußballer-Kollegen das der deutschen Elf. Was für eine Botschaft. "Die Abrechnung von Mesut Özil schießt aber über jedes nachvollziehbare Maß hinaus und lässt keinerlei Selbstkritik erkennen".

Die Bundesregierung will sich in den Streit zwischen Özil und dem DFB nicht einmischen. Die Nationalhymne sang er vor den Länderspielen nicht mit, aus gesellschaftlichen Debatten hielt sich Özil heraus.

"In seinen Augen bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, und ein Einwanderer, wenn wir verlieren".

Ausgangspunkt war ein Foto, das ihn mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zeigte.

Oliver Bierhoff: Der Nationalelfmanager war maßgeblich daran beteiligt, Özil zum Sündenbock für die WM zu machen - dank seiner Aussage in der "Welt", dass man hätte überlegen müssen, möglicherweise bei der WM auf Özil zu verzichten. Wie immer ist die Sache viel komplizierter. Die ehemalige Nummer 10 der deutschen Nationalelf hatte seinen Rücktritt am Sonntagabend über die Kurznachrichtenplattform Twitter kommuniziert und damit das Ende seiner herausragenden Länderspielkarriere besiegelt. Aber Merkel ist dabei ihrem Prinzip treu geblieben, das sie am Freitag bei ihrem letzten Vor-Urlaubs-Auftritt nochmal betonte: Je heftiger Debatten durch Soziale Medien und immer kürzere Aufmerksamkeitsspannen hochkochen, umso ruhiger will die Kanzlerin auftreten. Aber in diesem Fall ist es anders.

Und Mesut Özil holt sich Schützenhilfe für seine Generalabrechnung ausgerechnet in seiner neuen Wahlheimat England, wenn er schreibt: "Respekt vor einem politischen Amt zu haben, ist eine Auffassung, die sicher auch die Queen und Premierministerin Theresa May vertreten haben, als sie Erdogan in London ebenfalls getroffen haben".

Damit ist der nächste Tiefpunkt einer der schlimmsten DFB-Krisen aller Zeiten erreicht. Nun haben DFB und DFL seine Vorwürfe zurückgewiesen. "Und sportlich hat Özil seit Jahren nichts in der Nationalmannschaft verloren". Und fügte dann noch an: "Persönlich möchte ich noch sagen: Mesut Özil ist Deutscher und deshalb selbstverständlich auch mein Mitbürger".

Auch einige deutsche Politiker meldeten sich zu Wort. Grob zusammengefasst: In Person von Grindel werde der DFB von einem Mann geführt, der nur so tue, als seien ihm Integration und Anti-Rassismus-Kampagnen ein Anliegen, und der darüber hinaus sein Fähnchen gern nach dem Wind drehe.

"Der deutsche Fußball hat mit unzähligen Aktionen bewiesen, dass er sich für Integration, ein faires Miteinander und ein weltoffenes Land engagiert", heißt es in der Erklärung weiter. Aber geht das so einfach? "Jetzt wäre es so weit gewesen, falls er nicht selbst zurückgetreten wäre". Die berechtigte Kritik dürfe aber nicht in eine pauschale Ausgrenzung von Spielern mit Migrationshintergrund umschlagen. 39 Prozent meinen, dass der DFB ihn mehr hätte unterstützen müssen. Er sollte sich lossagen von seinen Wurzeln und seiner Religion, dem Islam, er sollte die deutsche Nationalhymne mitsingen und deutscher als die meisten Deutschen sein: So hätten es viele gern gesehen. Das Verhalten des DFB gegenüber dem Spieler sowie den von Özil vorgebrachten Vorwürfe wollte Demmer nicht kommentieren.

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