Reaktionen zu Özils Rücktritt und Rassismus-Vorwürfen

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Özil hatte im Zorn über das Verhalten von DFB-Chef Grindel in der Erdogan-Affäre geschrieben: "In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Immigrant, wenn wir verlieren". Er habe das deutsche Trikot mit großem Stolz und Enthusiasmus getragen, "aber jetzt nicht mehr", heißt es in der auf Englisch verfassten Erklärung. In einer Erklärung bedauerte der DFB den Abschied des Mittelfeldspielers aus der Nationalmannschaft und wies jegliche Vorwürfe zurück. Sein Abgang, der ein weiteres Alarmsignal zum Zustand unserer Republik ist und zu dem, was an Öffentlichkeit in ihr übrig geblieben ist, hat Stil. In Deutschland hat sein auf Twitter verkündeter Rückzug für eine erneute Integrationsdebatte gesorgt.

Zugegeben: Er hat es ihnen leicht gemacht. Während Gündogan sich noch vor der WM äußerte und versicherte, es habe sich nicht um "ein politisches Statement" gehandelt, schwieg Özil über Wochen. Der Sprecher des Präsidenten, Ibrahim Kalin freute sich darüber, dass Özil nach wie vor zu dem Treffen mit Erdogan steht und schrieb dann: "Welch eine traurige Angelegenheit für diejenigen, die behaupten, tolerant und multikulturell zu sein". Im Gespräch mit Erdogan sei es um Fußball gegangen, nicht um Politik. Zur Strafe wurde er allerdings von Jogi Löw nicht für die WM nominiert. Mit der Welt? Wem gegenüber glaubt Özil, einen Erklärungsbedarf zu haben? Sie alle seien Franzosen, so die Reaktion der Regierung. Es entschuldigt nichts an dem stinkenden Gebräu aus Ressentiments und Anfeindungen - "Türkensau", "Ziegenficker", "zurück nach Anatolien", etc. -, das jetzt hochkochte. Mindestens so desaströs ist das Agieren der DFB-Spitze. Am 6. September spielt der entthronte Weltmeister in München in der Nations League gegen den neuen Titelgewinner Frankreich.

Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) wurde zu der Diskussion rund um den Fußballprofi gefragt - und zwar am Rande eines Treffens mit seinem britischen Kollegen Jeremy Hunt, bei dem es um den Brexit ging.

Nur ganz wenige türkische Twitter-Nutzer forderten Özil auf, sich nicht benutzen zu lassen. "Erst als es mit Özil bergab ging, kam er zu uns". "Wir werden uns die Vorwürfe von Mesut Özil gegenüber den Medien, dem DFB und den Sponsoren in Ruhe ansehen, bewerten und anschließend entscheiden". Özil warf im Rückblick auf die Kontroverse auf sein Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan deutschen Medien "rechte Propaganda" vor. "Einstellungen wie von diesen Leuten spiegeln nicht die Spieler wider, die sie repräsentieren sollen".

Merkel lässt über ihre Sprecherin ausrichten, sie schätze den Zurückgetretenen sehr. Schon vor der WM hatte er gesagt: "Man muss ja verstehen, wie Türken ticken". Dabei sei es nur Özils Absicht gewesen, guten Fußball zu spielen.

Deutschland müsse sich bei dem Fußballer entschuldigen, so die türkische Zeitung "Habertürk". "Anders als Özil behauptet, ist ein gemeinsames Foto mit dem für die Abschaffung der Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei gefürchteten Autokraten politisch". Türkischen Medien und Funktionäre stempeln ihn zum Vaterlandsverräter. Zwei Herzen schlügen in seiner Brust, erklärt Mesut Özil, ein deutsches und ein türkisches. "Du kannst stolz auf deine Leistungen sein". "Man kann ja auch bei uns kritisch gegenüber der Bundesregierung sein und Deutschland trotzdem lieben".

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