Robert-Koch-Institut: Hochsicherheitslabor geht in Berlin in Betrieb

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Genauer: in den Wedding.

Das Labor in Berlin wurde bereits 2015 eröffnet, bislang lief aber nur der Testbetrieb.

Leiter des S4-Labors im Robert Koch-Institut ist Andreas Kurth. Ein Teil der Diagnostik könne nur in einem S4-Labor erfolgen. Sollte in einer Berliner Klinik zum Beispiel ein Patient mit Verdacht auf Ebola-, Lassa- oder Marburgfieber eingeliefert werden, wird er dorthin verlegt, und Forscher des nahen Labors können rasch feststellen, ob ein betreffender Erreger im Blut nachzuweisen ist. Das Labor der höchsten Sicherheitsstufe 4 am Berliner Robert-Koch-Institut nimmt am kommenden Dienstag seine Arbeit auf. Dazu zählen etwa Ebola-, Marburg-, Lassa-, Nipah- und auch die in Europa vorkommenden Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber-Viren. Mit seinen 330 Quadratmetern sei es nicht nur das grösste in Deutschland, sondern könne als einziges auch das ganze Jahr lang 24 Stunden täglich arbeiten, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. "Durch die Globalisierung steigt die Chance, dass infizierte Menschen auch nach Deutschland einreisen". Daher habe das RKI, ein Bundesinstitut, ein entsprechendes Labor bekommen. Dort kommt er sofort unter Verschluss, wird in flüssigem Stickstoff hinter den luftdichten Edelstahlwänden eines Hochsicherheitslabors gelagert. Wird ein Bereich abgeschaltet, kann im anderen weitergearbeitet werden. Die beiden S4-Labore in Hamburg und Marburg müssten jährlich für Wartungsarbeiten geschlossen werden. Der Beton des Laborkubus ist schusssicher, der innere Edelstahlkörper gasdicht. Dicke Belüftungsrohre, die sich unter der Metalldecke entlangschlängeln, daneben Kabelstränge, Düsen für Wasserdampf und allenthalben knallblaue Schläuche mit Ventilverschluss, die spiralförmig bis auf Kopfhöhe herabbaumeln: Hier zapfen die Mitarbeiter - ähnlich wie Taucher - Atemluft. "Das neue Labor stärkt auch den Forschungsstandort Berlin und ist mit der Nachbarschaft zur Sonderisolierstation des Charité-Campus Virchow-Klinikum zudem ideal gelegen", unterstreicht Wieler. Sie soll dafür sorgen, dass im Notfall keine Viren aus den Räumen entweichen können. Wer ins Labor will, muss verschiedene Sicherheitschecks durchlaufen, duschen und besondere Wäsche tragen: Über die Unterwäsche kommt ein schlafanzugähnlicher Ganzkörperanzug, erst dann folgen drei Paar Handschuhe, der zehn Kilogramm schwere Schutzanzug und Gummistiefel. Höchstens vier Stunden können sie so arbeiten. Danach wird der Schutzanzug sechs Minuten abgeduscht und gereinigt, der Unteranzug gewaschen und die Unterwäsche entsorgt. Die Mitarbeiter duschen auch ohne Anzug noch einmal. Falls sich jemand zufällig einmal sticht, schneidet oder anderweitig verletzt, tritt sofort ein Notfallplan in Kraft. Damit auch durch reparaturbedürftige Geräte oder Abfälle keine Keime nach außen gelangen, gibt es mehrere Schleusen, in denen die Materialien hocherhitzt werden, sodass sämtliche Erreger absterben. RKI-Mitarbeiter waren in den vergangenen Jahren zunehmend in mobilen Laboratorien in Ausbruchsgebieten tätig oder haben Laborkapazitäten in angrenzenden Regionen gestärkt. Ein S4-Labor für die Veterinärmedizin gibt es auf der Insel Riems. Es ist ein Haus im Haus. Erst am 31. Juli geht das Labor tatsächlich an den Start.

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