Fields-Medaille: Ex-Berliner erhält den "Mathe-Nobelpreis"

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Der erst 30 Jahre alte Mathematik-Professor Peter Scholze gilt als Ausnahmetalent. Nun hat er die entsprechende Würdigung erhalten. Das sei "schon eine herausragende Ehre", sagte der 30-jährige gebürtige Dresdner der dpa anlässlich der Verleihung beim Internationalen Mathematiker-Kongress am Mittwoch in Rio de Janeiro.

Das Prestige der Fields-Medaille ist mit dem der Nobelpreise vergleichbar.

Seit über 80 Jahren verleiht die Internationale Mathematische Union (IMU) die Fields-Medaillen.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat Scholze zur Fields-Medaille beglückwünscht.

Die Medaille geht auf den Mathematiker John Charles Fields zurück. Alle vier Jahre werden zwei bis vier junge Mathematiker ausgezeichnet - "in Anerkennung bereits getaner Arbeit [und] zugleich als Ermutigung für weitere Leistung". Der bisher einzige deutsche Träger der Fields-Medaille ist Gerd Faltings.

Bärbel Cohaus Direktorin des Heinrich-Hertz-Gymnasiums in Friedrichhain
Bärbel Cohaus Direktorin des Heinrich-Hertz-Gymnasiums in Friedrichhain

Scholze forscht zur sogenannten arithmetischen Geometrie und schafft Verbindungen zwischen verschiedenen Gebieten der Mathematik. "Dafür danke ich Ihnen sehr".

Thema seiner Bonner Dissertation (und wesentlicher Anstoß für die Vergabe der heutigen Auszeichnung) war Scholzes Entwicklung der "Perfektoiden Räume". Seine Forschung gilt als weltweit bahnbrechend und richtungsweisend.

Er selbst beschreibt das so: "Was mich interessiert, sind die ganzen Zahlen - also 1, 2, 3, 4, 5 und so weiter - und ihre Eigenschaften, also was für Gleichungen man damit lösen kann". Und diese ganz grundlegende Fragestellung benötigt abstrakte Methoden, die aus verschiedenen, überraschenden Bereichen der Mathematik kommen: aus der Geometrie, aus der Analysis.

Früher jagte Graf Zahl (im Original noch viel schöner: Er ist hier "Count von Count") in der Sesamstraße allen Fünfjährigen Angst ein, unabhängig vom mathematischen Talent: Vampirzähne, ungesund fliederfarbene Gesichtsfarbe, außerdem donnerte es in seinen Gewölben immer genau dann, wenn er mal wieder vor Zahlenfreude lachend eskalierte.

Es ist überhaupt erst das zweite Mal in der Geschichte des Mathematik-Preises, dass die Auszeichnung an einen Deutschen verliehen wird. Scholze ist Mitglied unter anderem der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Nach der schulischen Ausbildung in Ostberlin wechselte Scholze an die Bonner Universität. Mit damals erst 24 Jahren war Scholze somit der jüngste W3-Professor in ganz Deutschland. Seine Doktorarbeit aus dem Jahr 2011 geriet dermaßen revolutionär, dass die Hochschule sie einer Habilitationsarbeit gleichsetzte und Scholze direkt zum Professor machte: Seit 2012 ist er Inhaber eines W3-Lehrstuhls am "Hausdorff Center for Mathematics", dem mathematischen Exzellenzzentrum der Universität. Wie die Studenten hole auch er selbst sich Rat bei Scholze."Er ist inzwischen mein Lehrer".

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