Nach Wahl: Simbabwes Regierung droht oppositionellen Demonstranten

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Nach eigenen Angaben wird die Regierung in Simbabwe keine weiteren Proteste tolerieren.

Simbabwes regierende ZANU-PF-Partei hat die Mehrheit der Sitze im Parlament gewonnen. Die zimbabwische Wahlkommission habe die Ergebnisse für 153 der insgesamt 210 Sitze im Abgeordnetenhaus vorgelegt, berichtete die staatliche Mediengruppe ZBC.

Die Opposition befürchtet wegen einer Verzögerung der Bekanntgabe der Ergebnisse einen Wahlbetrug.

Die Auszählung für die übrigen Sitze dauerte an. Den vorliegenden Zahlen zufolge fehlen der Zanu-PF noch 30 Mandate für eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Diese würde es erlauben, die Verfassung nach Belieben zu ändern.

Die Regierungspartei setzte sich den veröffentlichten Ergebnissen zufolge vor allem in ländlichen Regionen deutlich durch. Erste Teilergebnisse wurden jedoch für Mittwoch erwartet.

Die Anhänger der oppositionellen MDC reagierten erbost auf die Angaben zur Sitzverteilung im neuen Parlament. Vor der Parteizentrale in Harare versammelten sich hunderte Menschen und reklamierten den Sieg für die MDC.

"Die Ergebnisse sind parteiisch und sollen den Eindruck erwecken, dass Zanu-PF gewonnen hat", sagte der 21-jährige Student Lawrence Maguranyi bei der Demonstration. Die MDC wirft der Wahlkommission Parteilichkeit vor und klagte über gefälschte Wählerlisten und zwielichtige Stimmzettel. Für die Wähler der Opposition sei offensichtlich, dass ihr Kandidat, Oppositionsführer Nelson Chamisa, die Präsidentschaftswahl gewonnen habe.

Chamisa (40) schrieb am Dienstagmorgen auf Twitter, nach Ergebnissen aus den meisten Wahllokalen stehe fest, dass er "überzeugend gewonnen" habe.

Junger Mann im Vordergrund mit ausgebreiteten Armen er ruft etwas dahinter eine Menschenmenge
Legende Die Demonstration sei grösstenteils friedlich verlaufen sagt Korrespondentin Lemmenmeier. Reuters

Gewaltsame Proteste trüben nach der Präsidentenwahl die Hoffnung auf einen friedlichen Neuanfang in Simbabwe. In Simbabwe herrscht Rekordarbeitslosigkeit, obwohl das Land großes Potenzial hat: Rohstoffe wie Diamanten, eine gut ausgebildete Bevölkerung und ein gutes Klima für die Landwirtschaft.

Die Wahl vom Montag war die erste Abstimmung seit einem Militärputsch im November, infolge dessen Mugabe (94) zurücktreten musste.

Die Wahlbeobachter der Europäischen Union übten Kritik.

Die Präsidentenwahl in Zimbabwe ist nach Ansicht der EU-Wahlbeobachter ohne Gewalt und frei abgelaufen, aber die Abstimmung war nicht fair. Der Chef der EU-Beobachter, der deutsche CDU-Politiker Elmar Brok, sprach am Mittwoch in Harare von "Versuchen, die freie Willensbekundung der Wähler zu untergraben, um ein Votum zugunsten der Regierungspartei sicherzustellen".

Internationale Wahlbeobachter - jene aus den USA und jene der EU - zeigten sich angesichts der verzögerten Bekanntgabe ebenfalls besorgt. "Je länger es dauert, desto mehr steht die Glaubwürdigkeit in Frage", sagte Brok.

Die Wahlkommission gab derweil erste Ergebnisse der zugleich abgehaltenen Parlamentswahl bekannt.

Die jetzige Abstimmung wurde von Beobachtern zwar nicht als frei und fair eingeschätzt - aber immerhin als die freieste und fairste Wahl in Simbabwe seit vielen Jahren.

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