Slowakei in Berliner Vietnamesen-Entführung involviert

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Berlin. Die Ermittler im Fall der Entführung eines vietnamesischen Geschäftsmanns 2017 in Berlin gehen nach einem Medienbericht fest davon aus, dass er in einer Regierungsmaschine der Slowakei in sein Heimatland gebracht wurde. Dabei hatte die Slowakei stets auf eine Zusicherung der vietnamesischen Regierung verwiesen, laut der Trinh nicht über die Slowakei gereist sei. Die vietnamesische Seite soll ein Innenminister-Arbeitstreffen in Bratislava für den Rücktransport des Entführten genutzt haben. Nach Moskau seien dann zwölf Personen geflogen, darunter das Entführungsopfer. Trinh Xuan Thanh wurde nach Erkenntnissen der Richter auf dem Landweg in einem Transporter T5 der vietnamesischen Botschaft von Berlin nach Brünn gebracht. Es gebe, so die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung, keinen Beleg, dass die slowakische Seite in den Plan der Vietnamesen eingeweiht gewesen sei.

Das Opfer war einst Vorstandschef eines staatlichen Baukonzerns in Vietnam und hatte in Deutschland politisches Asyl beantragt, das er erst nach seiner Verschleppung bekam. Eine hohe deutsche Diplomatin sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagsausgabe) zu den Beziehungen beider Staaten: "Es ist nicht nur der Wunsch der Vietnamesen, irgendwann zur Normalität zurückzukehren, sondern natürlich auch der Bundesregierung". Nach seiner Entführung im Jahr 2017 wurde er in Vietnam wegen Korruption zu einer doppelten lebenslangen Haft verurteilt. Offenbar auch, weil sich Vietnam dadurch ein Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland erhoffe.

Das Kammergericht bezeichnete die Tat als "eklatante Verletzung der Souveränität" Deutschlands.

Am 3. August 2017 wurde Trinh Xuan Thanh im vietnamesischen Staatsfernsehen als freiwilliger Rückkehrer präsentiert. Seine Anwältin Petra Schlagenhauf hatte gesagt, der Berliner Prozess habe die "vietnamesische Lüge" enttarnt, dass sich ihr Mandant freiwillig gestellt habe. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Transport am 25. Juli des Vorjahres in Berlin startete. Die Geliebte, die bei der Geheimdienstoperation einen Armbruch erlitten haben soll, war noch am Abend des Entführungstages in Berlin in ein Flugzeug nach Hanoi gesetzt worden.

In der Slowakei lösten die Berichte derweil eine innenpolitische Kontroverse aus. Dort übt der Präsident scharfe Kritik an der eigenen Regierung. Der Slowakei drohe "internationale Schande", warnte das parteilose Staatsoberhaupt. Auch ein Treffen zwischen dem vietnamesischen Innenminister To Lam und dem damaligen slowakischen Innenminister Robert Kalinak, das als Anlass für die Verleihung des Regierungsflugzeugs diente, habe "den einzigen Zweck" gehabt, "Herrn Trinh relativ problemlos aus dem Schengen-Raum heraus nach Vietnam zu verbringen".

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