Fall Pastor Brunson: USA verhängen Sanktionen gegen Türkei, Lira fällt auf Rekordtief

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Es liegt auf der Hand, dass sich die ohnehin belasteten Beziehungen zwischen Washington und Ankara im Ergebnis nur verschlechtern werden - das Sanktionsregime würde keine Annäherung der Positionen voranbringen. Schaukelt sich der Streit weiter hoch?

Kurz nach dem Putschversuch in der Türkei wurde US-Pastor Brunson festgenommen.

Nach den US-Sanktionen gegen zwei türkische Minister wegen eines in der Türkei festgehaltenen amerikanischen Pastors verschärft Ankara den Ton gegen Washington. Das türkische Außenministerium drohte daraufhin mit Gegenmaßnahmen.

Die Sanktionen gegen den türkischen Innenminister und den türkischen Justizminister, sie sind nun der nächste Schritt. Durch die Sanktionen werden mögliche Vermögen der Minister in den USA eingefroren, außerdem dürfen US-Bürger keine Geschäfte mit ihnen abschließen.

Die Märkte in der Türkei reagierten auch auf die US-Sanktionen und den sich verschärfenden Konflikt zwischen beiden Ländern. Alle Parteien des türkischen Parlaments, außer der türkisch-kurdischen HDP, veröffentlichten am Donnerstag eine gemeinsame Erklärung, in der sie bekundeten, dass sie sich dem Druck der USA nicht beugen werden. Auch nach zahlreichen Gesprächen habe sich nichts geändert. Ein Gericht wandelte seine Untersuchungshaft am Mittwoch in Hausarrest um. Die Staatsanwaltschaft fordert dafür bis zu 35 Jahre Haft. Die Sanktionen gegen die türkischen Minister seien aber für Brunson selbst wie auch für die evangelikalen Christen in der Türkei schädlich. Konkrete Vergeltungsmaßnahmen nannte er aber nicht. Wer diese Entscheidung getroffen habe, könne "äusserst ernste Probleme" zwischen den USA und der Türkei schaffen.

Die US-Regierung beharrt darauf, dass Brunson - gegen den in der Türkei Terrorvorwürfe erhoben wurden - unschuldig ist.

Bisher wurden keine Beweise für die Vorwürfe gegen Brunson vorgelegt, Beweisanträge der Verteidigung hingegen pauschal abgelehnt. Trump hatte bereits am Donnerstag vergangener Woche mit Sanktionen gedroht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan betonte am Mittwoch erneut, sein Land werde solche Drohgebärden nicht akzeptieren.

US-Vizepräsident Mike Pence hatte am Samstag gesagt, Hausarrest für Brunson sei "nicht gut genug". Beide würden sich am Rande des Asean-Treffens in dieser Woche in Singapur treffen. "Wir verfolgen immer noch eine diplomatische Herangehensweise", sagte Nauert. Die Frau ist inzwischen auf freiem Fuß, Brunson steht aber weiter unter Hausarrest.

Gülen lebt in den USA im Exil - er wird für den Putschversuch in der Türkei vor etwa zwei Jahren verantwortlich gemacht. Hintergrund schienen zunächst Visaprobleme zu sein, nach US-Angaben sollte Brunson ausgewiesen werden. Im Dezember verhängte ein Gericht dann jedoch Untersuchungshaft gegen Brunson.

Die türkische Justiz wirft dem protestantischen Geistlichen Spionage sowie Unterstützung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Gülen-Bewegung vor.

Andrew Craig Brunson (M), Pastor aus den USA, verlässt ein Gefängnis ausserhalb von Izmir. Im Streit um Brunson hat die türkische Regierung immer wieder auf die Unabhängigkeit der Justiz verwiesen, welche aus dem Ausland angezweifelt wird.

Sanders sagte, Trump und Erdogan hätten mehrfach über den Fall des Pastors gesprochen. Am vergangenen Dienstag drohte Trump mit "großen Sanktionen gegen die Türkei". Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu schrieb auf Twitter, die US-Sanktionen würden nicht ohne Antwort bleiben. Der US-Dollar stieg im Verhältnis zur Lira in der Spitze bis auf den historischen Höchststand von 4,9985 Lira. Beide Währungen legten zur Lira damit um über ein Prozent zu.

Zwischen der Bundesregierung und der Regierung in Ankara war im vergangenen Jahr eine Krise um die Inhaftierung deutscher Staatsbürger eskaliert.

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