USA: Sanktionen gegen Türkei wegen inhaftiertem Pfarrer

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In der vergangenen Woche wandelte ein Gericht die Untersuchungshaft wegen gesundheitlicher Probleme des 50-Jährigen in Hausarrest um.

Am Dienstag sagte der Sprecher der türkischen Regierung, Ibrahim Kalin, Ankara werde sich gegen alle US-Sanktionen wehren und äußerte die Hoffnung, dass der Konflikt während eines Treffens zwischen US-Außenminister Mike Pompeo und Çavuşoğlu Ende dieser Woche gelöst werde.

Hatten die USA sich zunächst hinter den Kulissen um die Freilassung des Pastors bemüht, protestierten US-Offizielle zuletzt bis hin zu Präsident Donald Trump auch öffentlich gegen die anhaltende U-Haft des Pastors. Trump attestierte dem türkischen Staatschef, dass er ein guter Typ sei.

Warum wiegt nun gerade der Fall des Pastors so schwer?

Was wirft die Türkei dem Pastor vor? 2010 wurde Brunson die Leitung einer kleinen Kirche in der Küstenstadt Izmir übertragen. Im vergangenen September sagte Erdogan: "Und dann sagen sie uns, gebt uns doch diesen Pastor".

Brunson, ein Missionar und Pastor einer evangelikanischen Kirchengemeinde in Izmir, war vor fast zwei Jahren wegen angeblicher Zusammenarbeit mit der Bewegung des Erdogan-Erzfeindes Fethullah Gülen und mit der kurdischen Terrororganisation PKK festgenommen worden. Norine Brunson kam nach 13 Tagen wieder aus der Haft frei, ihr Mann nicht. Nach US-Angaben sollte der Pastor des Landes verwiesen werden.

Darin beschuldigt die Staatsanwaltschaft Brunson auch, Kontakte zu terroristischen Organisationen zu haben.

Andrew Brunson saß mehr als zwei Jahre im Gefängnis.

Aus Sicht der USA sind die Vorwürfe gegen Brunson an den Haaren herbeigezogen. "Ich bin hier, um im Namen Jesu zu leiden".

Die US-Regierung beharrt darauf, dass Brunson - gegen den in der Türkei Terrorvorwürfe erhoben wurden - unschuldig ist.

Washington erwägt eine Abschaffung von Vergünstigungen für Einfuhren von Erzeugnissen aus der Türkei.

Die Türkei ist, bei allen Schwierigkeiten, ein Verbündeter der USA, ein Nato-Partner, ein Land, in dem Washington Flugzeuge und Soldaten stationiert hat - insofern handelt es sich bei den Sanktionen um einen außergewöhnlichen Schritt.

Unschuldig sei Pastor Brunson, er habe nichts Falsches getan - daran ließ die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, keinen Zweifel. Durch die Sanktionen werden die Vermögen der Minister in Amerika eingefroren, außerdem dürfen amerikanische Bürger keine Geschäfte mit ihnen abschließen. Es geht die Sorge vor weiteren US-Sanktionen um.

Innenminister Süleyman Soylu - gegen den sich die US-Sanktionen unter anderem richten - kündigte an, den als Putschverschwörer gesuchten islamischen Prediger Fethullah Gülen aus den USA in die Türkei zu schaffen. Wir werden ihn nicht dort lassen. "Wir werden ihn holen!" Auch der Chef des deutschen Bundesnachrichtendienstes, Bruno Kahl, hatte im März 2017 erklärt, dass der BND keine Anzeichen dafür sehe, dass die Gülen-Bewegung hinter dem Türkei-Putsch steckt. Regierung und Opposition verabschiedeten im Parlament eine Entschließung, in der die USA scharf kritisiert wurden. Gülen lebt derzeit in Pennsylvania im Exil. Erdogan fordert von den Vereinigten Staaten die Auslieferung Gülens.

Zudem stört sich die türkische Regierung an der Unterstützung kurdischer Milizen in Syrien durch das US-Militär. Ein Gipfel in Istanbul, bei dem Anfang September die Zukunft des Kriegslandes besprochen werden soll, wird ohne Vertreter aus Washington stattfinden.

Der US-Regierung wiederum missfällt, dass sich die Türkei weigert, das Nachbarland Iran wirtschaftlich zu isolieren. Der türkische Präsident Erdoğan besuchte vor der Sitzung das Atatürk-Mausoleum in Ankara. Die Frau ist inzwischen auf freiem Fuß, Brunson steht aber weiter unter Hausarrest. Ankara widerspricht der Darstellung; einen solchen Deal habe es nicht gegeben. Das US-Finanzministerium sprach von Sanktionen wegen "schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen".

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