"Grenzenlos": Neues von Altmeister Wenders - Kino

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Wer seinem Kino treu ist, wird auch in "Submergence" noch genügend Wim-Wenders-Augenblicke finden, die diesem objektiv misslungenen Film einen Platz in seinem Werk zuweisen: Eine Tauchszene am Anfang, die farbigen, irrealen Strandlandschaften - und zwei Schauspieler, die seine Vision besser auszudrücken vermögen, als es ihre Dialoge nahelegen. Vielleicht inspiriert der "Krieg gegen den Terror" tatsächlich einmal ein zweites "A Farewell to Arms" und wenn, dann wäre Wim Wenders wohl eine gute Wahl für die Regie.

Im Rückblick auf Wenders' Frühwerk, mit so experimentellen Filmen wie der Handke-Adaption "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter", dem Schwarz-Weiß-Roadmovie "Alice in den Städten", muss ein klassisch angelegtes Liebesdrama wie "Grenzenlos" konventionell anmuten.

Die Frischverliebten Danielle (Alicia Vikander) und James (James McAvoy) scheinen zu ahnen, dass ihnen nur wenig Zeit bleibt. Immer wieder wird der Gefangene von Dschihadisten zum Verhör herausgezerrt und beteuert, dass er als Wasserbauingenieur und nicht als Spion ins Land gekommen sei.

Eine knappe halbe Stunde ist der Film alt, da kommt es zum ersten leidenschaftlichen Kuss der Protagonisten: Danielle ist eine Biomathematikerin, die sich gern schlicht gekleidet und mit viel zu großem Brillenmodell im Labor ihren Forschungsobjekten widmet. Aber es fällt ihr schwer, sich auf das Projekt zu konzentrieren, weil sie von James seit Wochen nichts gehört hat. In den Rückblenden liegen der emotionale Kern und die eigentliche Stärke des Filmes. Danielle ist eine Frau, die beseelt von ihrer Arbeit ist und daraus ihre Ausstrahlungskraft entwickelt. James, der seine regierungsamtliche Profession geheim hält und sich glaubwürdig als Ingenieur ausgibt, erweist sich als interessierter Fragensteller, der im Gespräch immer wieder die intellektuelle Herausforderung sucht.

Dani Flinders (Alicia Vikander) und James More (James McAvoy) begegnen sich an einem Strand in der Normandie. Dies soll den Film durch zwei Erzählebenen tragen, in denen sich die beiden voneinander getrennt in konträren Lebenswelten befinden. Was sich im Roman über feine Verästelungen zusammenfügt, bleibt im Film trotz sensibler Schnitttechnik als unproduktiver Kontrast nebeneinander stehen. Der Kontroll- und Selbstwertverlust der Geisel und die durchaus differenzierte Sicht auf die Glaubens- und Gedankenwelt der Dschihadisten hätten ebenso eine Vertiefung verdient wie der nordpolare Erzählstrang, in dem sich eine Forscherin in die tiefsten Meeresschichten vorarbeitet, um dem Ursprung des Lebens auf den Grund zu gehen. Aber zusammen genommen ergeben die drei Narrationsebenen auf frustrierende Weise kein funktionierendes Ganzes. Gerade wegen der hohen schauspielerischen Präsenz von Vikander und McAvoy möchte man den Film mögen, wird aber durch ein manieriert wirkendes Konzept davon abgehalten.

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