KFOR-Sodaten blockieren Talsperre Gazivoda im Kosovo

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Hintergrund für die gespannte Situation ist eine am Samstag abgelaufene viermonatige Frist der EU an die Kosovo-Regierung zur Vorlage eines schon lange verabredeten Autonomie-Statuts für die Serben im Norden des Landes.

Belgrad - US-Soldaten der internationalen Schutztruppe KFOR haben am Samstag die Zugänge zur wichtigen Talsperre Gazivoda in Nordkosovo blockiert.

"Ich habe die Serben im Kosovo gebeten, nichts zu unternehmen und noch einige Tage auszuhalten", sagte der serbische Staatspräsident Aleksandar Vucic nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates". Das war offensichtlich die Reaktion auf Spekulationen, albanische Spezialpolizei wolle den Serben die Kontrolle der für Kosovo lebenswichtigen Talsperre auf der Grenze zwischen beiden Ländern entreißen.

Auf der anderen Seite warnte Kosovo-Regierungschef Ramush Haradinaj die Serben vor einseitigen Schritten. Medien berichteten, die serbische Minderheit könnte eigenmächtig ihre Autonomie ausrufen, sollte die Frist für das Statut am Samstag verstreichen. Damit sollen die Serben, die nur noch weniger als zehn Prozent der knapp zwei Millionen Menschen im Kosovo ausmachen, aber im Norden des Landes die lokale Mehrheit bilden, weitgehende Selbstverwaltung erhalten. "Serbien ist heute bereit, Ihre Leben und Ihren Frieden zu schützen", schrieb Vucic weiter: "Solange ich an der Spitze stehe, wird Serbien weder organisierte Gewalt gegen Serben und deren Heiligtümer noch ihre Vertreibung erlauben".

Eine in den letzten Wochen von den Medien berichtete Lösung des jahrzehntelangen Konflikts durch einen Gebietsaustausch ist wohl endgültig vom Tisch. Auch Serbiens starker Mann Vucic zeigte sich pessimistisch: "Ist ein Kompromiss in Sicht? Ich glaube nicht, ich bin nicht optimistisch", sagte er nach einem Gespräch mit dem einflussreichen Serbisch-Orthodoxen Patriarchen Irinej in Belgrad.

Erst vor rund 20 Jahren hatten Serbien und Kosovo-Albaner Krieg gegeneinander geführt, indessen Zuge Hunderttausende vertrieben wurden - die Nato hatte schließlich eingegriffen und die Kriegsparteien getrennt. Das fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo war anschließend vor zehn Jahren von Serbien abgefallen. Serbien will seine frühere Provinz mit Hinweis auf seine dort gelegenen mittelalterlichen Klöster und Schlachtfelder wieder zurückhaben. Für den EU-Kandidaten Serbien ist die Aussöhnung mit dem Kosovo eine zentrale Bedingung für die weitere Annäherung. Aus diesem Grunde hat Spanien als eines von fünf EU-Mitgliedern das Kosovo auch nicht als selbstständigen Staat anerkannt.

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