Riad weist kanadischen Botschafter wegen Tweets zu Frauenrechten aus

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Der kanadische Botschafter muss innerhalb von 24 Stunden Saudi-Arabien verlassen - wohl weil die kanadische Außenministerin und die Regierungsabteilung für auswärtige Angelegenheiten Festnahmen in dem Königreich kritisiert hatten. Sie wird als Reaktion auf Kanadas Erklärung der Besorgnis über die jüngste Verhaftung von Menschenrechtsaktivisten in Saudi-Arabien verstanden. Zudem fror Saudi-Arabien ein erst vor Kurzem geschlossenes Handelsabkommen mit Kanada sowie alle neuen Investitionen ein. Als konkreter Grund für das Vorgehen wurde eine "Einmischung" in die inneren Angelegenheiten Saudi-Arabiens genannt. Die Formulierung "sofortige Freilassung" in der kanadischen Forderung sei "sehr unglücklich, verwerflich und inakzeptabel in Beziehungen zwischen Staaten". "Kanada steht der Badawi-Familie in dieser schwierigen Zeit bei and wir werden weiterhin vehement die Freilassung von Raif und Samar Badawi fordern".

Abgesehen davon, dass Riad "alle neuen Handels- und Investitionsgeschäfte mit Kanada auf Eis gelegt hat", erwähnt das Außenministerium der absoluten Monarchie der Meldung zufolge, dass das Land "das Recht hat, weitere Maßnahmen zu ergreifen".

Zuvor hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Link öffnet in einem neuen Fenster über die Verhaftung der beiden Frauenrechtlerinnen Nassima al-Sadah und Samar Badawi berichtet. Die beiden hatten unter anderem jahrelang für das Recht gekämpft, als Frauen in dem ultrakonservativen Königreich Auto fahren zu dürfen - was seit Ende Juni auch möglich ist. "Das Königreich Saudi-Arabien wird eine Einmischung in seine inneren Angelegenheiten nicht akzeptieren", hiess es weiter vom Ministerium in Riad.

"Kanada wird sich immer für den Schutz von weltweiten Menschenrechten, eingeschlossen in hohem Maße Frauenrechte, und Meinungsfreiheit einsetzen", teilte Marie-Pier Baril, die Sprecherin von Freeland, in einer E-Mail der Deutschen Presse-Agentur mit. Sie seien wesentlich für die internationale Diplomatie.

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman hat seit seiner Ernennung im vergangenen Jahr ein Modernisierungsprogramm gestartet.

Bereits Mitte Mai waren mindestens 17 Aktivisten festgenommen worden, von denen einige zumindest zwischenzeitlich wieder freigelassen wurden. Laut Weltbank machte Kanadas Handel mit Saudi-Arabien im Jahr 2016 lediglich 0,24 Prozent des gesamten Handels des Landes aus.

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